Leserstimme zu
Totenlied

Nichts für sensible Katzenbesitzer

Von: frischgelesen.de
03.09.2016

Auf das Hörbuch „Totenlied“ von Tess Gerritsen haben wir uns sehr gefreut. Ich hatte ja schon oft erwähnt, dass meine Familie es liebt, gemeinsam Geschichten zu hören. Und die Story um die Violinistin Julia Ansdell klang sehr vielversprechend. Während ihrer Italienreise entdeckt sie in einer geheimnisvollen Buchhandlung ein altes Notenheft mit einer faszinierenden Walzerkomposition. Julia Ansdell ist von dem Stück tief beeindruckt, doch während sie sich beim Violinespielen in dem Stück verliert, geschehen furchtbare Dinge und niemand will die Zusammenhänge zum mysteriösen Stück erkennen. Klingt sehr spannend, oder? Ich habe mir in der Vergangenheit angewöhnt, die ausführlichen Beschreibungen der Handlung nicht mehr durchzulesen, da oft Wendungen verraten werden, die ich eigentlich erst erlesen möchte. So hielt ich es auch beim „Totenlied“ von Tess Gerritsen. Allerdings hätte mich hier vielleicht der Hinweis auf das erste Opfer des geheimnisvollen Musikstückes vom Hören abgehalten. Es ist nämlich die Katze der Familie Ansdell, die von der dreijährigen Tochter getötet wird. Und als sensible „Katzenmami“ war ich mehr als schockiert über den brutalen Start in die tragischen Ereignisse. Wahrscheinlich wird dieser Vorfall auch deshalb auf der Innenklappe des Hörbuches schon erwähnt, eine kleine Warnung sozusagen: Nichts für zartbesaitete Katzenliebhaber. Nachdem die Geschichte für meine Begriffe zu splattermäßig beginnt, nimmt sie dann einen eher ruhigeren Verlauf in Form der Suche nach dem Urheber des „bösen“ Musikstückes. Die Protagonistin reist zurück nach Italien und kommt diversen Verstrickungen auf die Spur. Das bringt natürlich auch sie selbst in große Gefahr. Die Auflösung der Geschichte hat uns nicht so sehr überrascht und das „Totenlied“ kam bei uns nicht wirklich gut an. Das lag nicht nur am unsensiblen Auftakt mit dem Haustier. Nein, für mich persönlich lag es daran, dass ich es nicht nachvollziehen kann, dass ein derartiges Musikstück Böses ausrichten soll. Die tragischen Ereignisse, die mit seiner Entstehung zu tun haben, machen es für mich nicht automatisch böse. Musik kann traurig und glücklich machen, aber böse? Vielleicht bin ich einfach nicht der richtige Empfänger für derartige Storys. Die rohe Gewalt am Anfang des „Totenlied“ von Tess Gerritsen spricht mich als Leser oder in diesem Fall als Hörerin nicht an. Es passt für mein Empfinden auch nicht zum sehr sensiblen Thema, was Tess Gerritsen hier gewählt hat. Außerdem spiele ich selbst Klavier und schreibe auch ab und an kleine Stücke. Für mich ist Musik immer gut und ich mag die Vorstellung nicht, dass eine Komposition dreijährige Mädchen zu Monstern macht. Ganz egal, wie traurig auch die Umstände des Komponisten waren. Er war doch kein böser Dämon, der seine Musik zum Töten in die Welt schickte. Ich hätte mir ein anderes Denkmal gewünscht, was Tess Gerritsen hier einer sehr düsteren Zeit setzen wollte. Die Autorin Tess Gerritsen war Ärztin bevor sie mit dem Schreiben begann, deshalb sind ihre medizinischen Ausführungen sehr detailliert und genau. Ihre Romane rund um die Detektivin Jane Rizzoli gehören weltweit immer wieder zu den Bestsellern. Bei der Hörversion bekommt man auch das geheimnisvolle „Totenlied“ zu hören. Es wurde von Tess Gerritsen selbst komponiert. Gesprochen wird das Hörbuch von Mechthild Großmann, die bereits mit Fassbinder und mit Pina Bausch arbeitete. Ihre Stimme ist wirklich unverkennbar und ich mag sie sehr gern. Aber diese eindrucksvolle Stimme passt definitiv nicht zur Protagonistin im „Totenlied“ von Tess Gerritsen. Die Violinistin Julia Ansdell ist Mitte dreißig und ich stelle sie mir einfach mit einer anderen, viel weicheren Stimme vor. Genauso wie bei der dreijährigen Tochter, passt hier Mechthild Großmanns Stimmlage nicht zu meiner Phantasie. So, nun habe ich meine Meinung kundgetan, möchte aber ausdrücklich betonen, dass das „Totenlied“ von Tess Gerritsen bei vielen anderen Lesern und Hörern sehr gut ankommt. Ihr solltet euch also auf jeden Fall selbst eine Meinung bilden, die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.