Leserstimme zu
Ventoux

Der Berg

Von: BücherKaterTee
10.09.2016

Der Berg Der Gipfel des Mont Ventoux, ist eines der herausragenden Ziele für Radrennfahrer in der Provence ist per Straße von drei Seiten aus erreichbar. Der schwerste Anstieg, von Bédoin im Südwesten, hat über mehr als 1600 Höhenmeter bei einer durchschnittlichen Steigung von 7,6 Prozent eine Länge von etwa 21 km. Berühmt ist der „Col des Tempêtes“ (Sattel der Stürme), an dem die Straße auf dem Grat verläuft. Die Ostseite gilt mit einer Strecke von 26 km über 1150 Höhenmeter bei einer Steigung von 4,5 % als die leichteste Strecke auf diesen Berg. Der Aufstieg auf den Ventoux ist gefürchtet wegen der enormen Steigung und noch mehr wegen seiner kahlen Kuppe, auf der die Rennfahrer ungeschützt der Sommersonne, starken Winden und heftigem Regen ausgesetzt sein können. 1967 erlangte der Mont Ventoux Renn – Berühmtheit, weil der englische Radprofi Tom Simpson eineinhalb Kilometer vor dem Gipfel erschöpft zusammenbrach und noch an der Unglücksstelle verstarb. Auch bei der diesjährigen Touretappe (2016) kam es zu einem denkwürdigen Ereignis auf dem Mont Ventoux. Das Buch „Das Buch handelt nicht nur vom Rennsport. Eigentlich handel es gar nicht davon“… „Es handelt vom Leben“ Bert Wagendorp erzählt in diesem mehr als großartigen Buch auf zwei Zeitebenen die Geschichte von Jugendfreunden aus Zutphen, einem Ort im Achterhoek in den Niederlanden. In der heutigen Zeit begegnen sich die Jugendfreunde, die sich zwischenzeitlich aus den Augen verloren haben erst durch Zufall wieder. Allen Freunden ist gemein, dass sie, Anfang 50, mehrere Brüche in Geheimnisse ihrem Leben verkraften mussten die sie, wenn sie es genauer betrachten, mit ihrer gemeinsamen Jugend in Verbindung bringen können. Bart, der Gerichtsreporter trifft Andre, den Drogendealer vor Gericht, als Andre freigesprochen wird. Sie verabreden sich zu einer gemeinsamen Ausfahrt auf den Rennrädern. Wie sich später herausstellen wird, war der Radsport in ihrer Jugend ein verbindendes Thema. Allerdings führte eine Rennradtour auf den Mont Ventoux vor dreißig Jahren zur großen Zäsur ihres gemeinsamen Lebens und ihrer Freundschaft. Die jungen Menschen entwickeln ihre Leben scheinbar unabhängig voneinander, aber in dem tiefen Bewusstsein, dass sie durch ihre Freundschaft, ihre gemeinsame Jugend, ihrer Liebe zu einander und zu Laura für immer geprägt sein werden. „Du bist schon ein seltener Vogel, Papa, solche Freunde hat nicht jeder. Ein Dichter, ein berühmter Wissenschaftler, ein Verbrecher, ein Reiseveranstalter…. – Kein Wunder, dass du Reporter geworden bist. Sind ja angeblich Chamäleons.“ Bart und Andre nehmen den Kontakt zu David, dem Inhaber eines Reisebüros und Joos, der inzwischen Physikprofessor geworden ist her, als sie völlig unerwartet von Laura in die Provence eingeladen werden. Ausgerechnet Laura, die damals nach dem tödlichen Unfall am Mont Verdoux spurlos aus ihrer aller Leben verschwunden war. Die vier Freunde machen sich nach dieser langen Zeit wieder auf die Reise zum Mont Vendoux. Um ihn zu bezwingen und sich zu retten. Die Jungen Bart, David, Joos, Peter und Andre lernen sich in den achtziger Jahren in der Grundschule kennen. Mit ihren sehr unterschiedlichen Charakteren und familiären Hintergründen bilden die Jungen eine feste Einheit, die später durch Laura nicht einfach erweitert, sondern vervollständigt wird. Mit Laura entstehen in der Gruppe bei den Jungen Liebes- Neid- und Eifersuchtsgefühle. Das System der Jungengruppe mit Laura als Mittelpunkt funktioniert, weil Laura sich weitgehend neutral verhält. Zum Abschluss ihrer Schulzeit machen sich Bart, der Rennradsport – Enthusiast und Joos, der Physikfreak, auf den Weg zum Mont Ventoux, um die schwerste Auffahrt zum Gipfel zu fahren. Peter, der Dichter, schließt sich an, um auf den Spuren des von ihm verehrten Dichters Franceco Petrarca ebenfalls den Mont Vendoux zu bezwingen und sich dichterisch inspirieren zu lassen. David, der in das Reisebüro seines Vaters einsteigen will und Laura, die demnächst in Italien ein Studium aufnehmen will, lassen es sich nicht nehmen, die Freunde zu begleiten. Die Ereignisse am Mont Vendoux lassen Fragen und Gefühle entstehen, die erst dreißig Jahre danach von den knapp Fünfzigjährigen Freunden in der Provence geklärt werden können. Wenn das gelingt, können die Freunde nicht nur Frieden mit der Vergangenheit, sondern auch der Zukunft machen. „Schuldgefühl kann auch ein Ausdruck von Feigheit sein,von der Angst, sich der Tatsache zu stellen, dass wir auf vieles im Leben keinen Einfluss haben….“ Am Mont Vendoux werden die fünf Freunde erwachsen, sie nehmen ihre Schicksale an und entwickeln ihre Leben fiteinander und nehmen ihre Verantwortungen wahr. Bert Wagendorp ist eine wunderbare Coming of Age Geschichte über Freundschaft gelungen, in der er deutlich macht, dass Erwachsen werden eine lebenslange Aufgabe sein kann. Die jungen Menschen, ihre Begegnungen und ihre Einflüsse aufeinander beschreibt Wagendorp sehr einfühlsam und so, dass wohl manche/r gerne ein Teil dieser Gemeinschaft gewesen wäre. Vendoux ist für mich bisher mein Buch des Jahres!!