Leserstimme zu
Kill Girl - Tödliches Verlangen

Zu viel Erotik, zu wenig Thrill

Von: Litis' fabelhafte Welt der Bücher
15.09.2016

Cover: Das Cover ist ziemlich eindeutig und dem Betrachter wird schnell klar, von was das Buch grob handelt. Es ist raffiniert gewählt und unterstreicht die erotische Note in diesem Thriller. Die Story: Ich wurde hier mit einer einfallsreichen Buchidee überrascht, die ich so bisher noch nicht gesehen habe. Die Autorin zeigt das Leben einer nach Blut dürstenden, psychopathischen Frau auf, die sich ihr Geld mit dem sogenannten Camming - dem virtuellen Sex via Kamera - verdient. Circa die Hälfte des Buches wird dominiert durch den Cybersex, was mir persönlich irgendwann zu viel wurde. Ich hätte mir gern etwas weniger Erotik, dafür aber mehr Thriller gewünscht, denn recht schnell war die Camming-Thematik abgenutzt. Der dennoch interessante Genre-Mix lässt mich allerdings ein wenig darüber hinweg sehen. Die Charaktere: Deanna, oder auch Jess, wie sie im Cybersex-Geschäft genannt wird, führt ein zu 100% kontrolliertes Leben. Und das ist auch gut so, denn sie ist eine Psychopathin. Ihre Tage werden dominiert von blutigen Mordgedanken, die sie nicht kontrollieren kann. Sie wünscht sich, anderen Menschen etwas anzutun und fürchtet sich zugleich davor. Daher tut sie das für sie einzig Vernünftige: Sie sperrt sich in ihrer Wohnung ein und geht nicht mehr auf die Straße. Dabei hat sie jedes Bedürfnis und jede Situation bedacht. Geld verdient sie, indem sie im Internet Sex mit Männern hat. Das hilft ihr auch, sich von ihren Mordgedanken abzulenken. Deanna ist eine offenherzige und natürliche Person und Frau Torre schafft es, dass man sie mag, obwohl sie eine Psychopathin ist. Der Leser lernt in parallelen Erzählsträngen noch die 6-Jährigen Annie, den UPS-Boten Jeremy und einen unbekannten Mann kennen. Diese Charaktere werden aber nur oberflächlich dargestellt, da deren Entwicklung für das Vorankommen des Plots nicht relevant ist. Nur Deanna spielt hier eine zentrale Rolle. Der Schreibstil: Die Autorin arbeitet mit Rückblenden aus Deannas Vergangenheit, um besser ihre charakterliche Entwicklung zu transportieren. Außerdem gibt es neben Deanna noch weitere Erzählstänge und ich habe anfangs die ganze Zeit gerätselt, wie diese zusammen hängen. Ich habe mich sogar etwas in die Irre führen lassen, da ich zunächst dachte, Annie sei Deanna in jungen Jahren. Vielleicht war das bei der Namensähnlichkeit auch von Frau Torre so vorgesehen. Deanna ist Ich-Erzähler, während die Abschnitte der weiteren Protagonisten (Jeremy, Annie und unbekannter Mann) in der 3. Person erzählt sind. Die Autorin schreibt direkt und ungeschönt - sowohl bei Deannas Mordfantasien als auch bei ihrem Camming-Job. Man erhält einen Einblick wie vielseitig das Camming-Geschäft ist und die sexuellen Vorlieben einzelner Kunden werden gut transportiert und auch mit Auszügen aus wissenschaftlichen Werken oder Lexica unterstrichen. Ende: Das Ende ist abgerundet und lässt nichts offen, obwohl es eine Fortsetzung gibt. Einige Stellen sind allerdings fast schon zu romantisch für meinen Geschmack. Irgendwie passen sie nicht so recht hinein, wenn man die restliche Geschichte betrachtet. Fazit: Eine einfallsreiche Buchidee mit interessantem Genre-Mix, die uns direkt und ungeschönt in das Leben der authentischen Protagonistin Deanna blicken lässt. litis-fabelhafte-welt-der-buecher.blogspot.de