Leserstimme zu
"Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden."

Nicht jeder ist zerbrochen!!!

Von: Die-Rezensentin
26.10.2016

Der Theologe und Psychiater Manfred Lütz lernte während einer Israel-Reise durch Zufall den Künstler und Auschwitz- Überlebenden Jehuda Bacon kennen. Tief beeindruckt von dem Mann, fragte er ihn bei seiner Abreise, ob er bereit sei, seine Erlebnisse in Buchform zu veröffentlichen. Kurz darauf flog Manfred Lütz erneut nach Israel und verbrachte vier Tage mit Jehuda Bacon. Aus den intensiven Gesprächen in Form eines Interviews niedergeschrieben, entstand dieses Buch. Ich habe schon viel über das Thema Auschwitz gelesen und finde es immer wieder grausam, die Erlebnisse eines Zeitzeugen zu hören. Zuerst lebte Jehuda noch in Theresienstadt, das damals als Vorzeige- KZ galt, weil dort öfters Inspektionen durch das Deutsche Rote Kreuz durchgeführt wurden. Dort ging es den Häftlingen noch halbwegs gut. Das änderte sich schlagartig, als Jehuda nach Auschwitz deportiert wurde. Wir schrecklich muss es sein, die ganze Familie sterben zu sehen und selbst zu überleben? Gänsehaut bekam ich, als ich las, dass Jehuda Bacon in einem seiner Bilder das Krematorium von Auschwitz gemalt hat, und in dem aufsteigenden Rauch das Gesicht seines ermordeten Vaters. Nachdem Jehuda als 15jähriger befreit wurde, hatte er das Glück, in ein Kinderheim zu kommen, in dem ein bemerkenswerter Pädagoge ihm den Glauben an die Menschheit zurückgab. Trotz seiner schrecklichen Erlebnisse ist Jehuda Bacon kein verbitterter alter Mann, sondern Manfred Lütz beschreibt ihn als freundlich, bescheiden und zuweilen heiter. Was mir nicht so gut gefallen hat, ist die Form, in der das Buch geschrieben ist. Manfred Lütz stellt Fragen, die Jehuda Bacon beantwortet. Dadurch empfand ich den Lesefluss immer wieder unterbrochen und die Erzählung konnte mich nicht ganz so einnehmen, wie sie es verdient hätte. Trotzdem ist es ein sehr lesenswertes Buch, das man sicher nicht so schnell vergessen kann.