Leserstimme zu
Die Alm - Ein Ort für die Seele

Die Alm - ein Sehnsuchtsort?

Von: Allegrias Landhaus
03.12.2016

Für mich als begeisterte Almwanderin stellt sich die Frage, wie das funktioniert, den Sommer über auf einer Alm zu bleiben und sie zu bewirtschaften. Klar, ich hätte bei einem unserer zahlreichen Almbesuche die jeweiligen Senner ausfragen können aber meistens hatten die genug damit zu tun, die Gäste zu bewirten. Deshalb freute ich mich riesig über das im April bei kailash erschienene Buch "Die Alm - Ein Ort für die Seele" in unserem Postkasten. Die Autorin heißt Martina Fischer. Daten zum Buch: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 240 Seiten, 15,5 x 21,0 cm durchgehend vierfarbig ISBN: 978-3-424-63118-0, € 19,99 , Verlag: Kailash, Erschienen: 25.04.2016 Martina Fischer lebt mit ihrem Mann auf einem alten Bauernhof am Chiemsee. Von dort aus alleine auf die Alm zu gehen und den Mann unten zurückzulassen ist ein kleines Sicherungsseil für die Almerin (so wird im Buch die Sennerin genannt), kann er doch im Notfall oder grundsätzlich in relativ kurzer Zeit zur Alm hinauf fahren. Was für eine tolle Möglichkeit, solch eine Auszeit vom normalen Leben realisieren zu können! Aber nun zu den Inhalten. Das Buch ist wie ein unterhaltsamer Tatsachenbericht aufgebaut. Es nimmt den Leser in jeder Phase mit und verleitet zum Weiterlesen in einem Rutsch. Viele schöne Fotos wecken sofort meine Sehnsucht nach der nächsten Sommersaison, wenn auch wir uns wieder auf Wanderungen zu Almen begeben. Aber hier geht es nicht ums Wandern, sondern um das Geschehen vor Ort. Das Buch gibt zu allem Auskunft, was den Leser am Almleben interessieren könnte: Wie kommt man dazu, Almerin zu werden? Was nimmt man mit in die Einsamkeit, wenn der Almsommer ansteht? Wie sieht aus auf der Alm und in der Hütte? Welchen Tierbestand gibt es dort? Werden Gäste bewirtet auf der Rampoldalm? Das für mich wichtigste Kapitel ist der Tagesablauf auf der Alm. Um 4:30 Uhr klingelt der Wecker und das jeden Tag. Das wäre für mich absolut zu früh...den Rest würde ich mir zutrauen, habe ich doch viele Jahre nebenbei einen kleinen Pferdehof auch mit viel Handarbeit bewirtschaftet. Den Rest verrate ich nicht, ich möchte den Lesespaß nicht vorwegnehmen. Wenn man auf der Alm residiert, kann man nicht mal eben ins Tal huschen, um einzukaufen, sondern muß viele Tage mit dem Vorhandenen bzw. den vor Ort produzierten Produkten auskommen. Wie das geht, zeigt uns die Autorin mit vielen appetitanregenden Rezepten, z.B. auch für den im Buch mehrfach erwähnten Topfenstrudel, den ich unbedingt einmal machen möchte hier im Flachland :-) Meine Lieblingstätigkeit wäre eindeutig die tägliche Inspektion der Almgebietes mit Durchzählen des hoffentlich unversehrten Viehbestandes! Wie fühlt sich die Almerin über die Saison? Wie geht man mit Gästen um, die bewirtet werden wollen oder die einfach so hereinschneien? Auch dazu gibt es Antworten bis dann mit dem Almabtrieb der Sommer auf der Alm sein Ende nimmt. Am Ende erzählt Martina Fischer noch, wie es für sie weiterging und ich klappe dieses qualitativ hochwertige Buch mit Sehnsucht im Herzen zu. Wär's nur erst wieder Juni. Als Besitzerin eines weiteren Almbuches, allerdings im Taschenbuchformat ziehe ich einen Vergleich und stelle fest, dieses Buch ist so ganz anders, weil es um eine andere Alm geht und eine Bewirtschaftung durch nur eine Person vorliegt. Respekt für die Almerin, diese Verantwortung und die nicht leichte Arbeit auf sich zu nehmen! Und Respekt für sie als Autorin, die aus ihren Erlebnissen ein wundervolles Buch erschaffen hat, welches von mir 5 Sterne bekommt.