Leserstimme zu
Spock und ich

Freundschaftliche Erinnerungen

Von: Michael Lehmann-Pape
08.12.2016

„Mr. Spock und James T. Kirk, die Figuren, die Leonhard und ich bei Star Trek verkörperten, waren beste Freunde, und so war es auch im wahren Leben“. In einer Mischung aus Seriengeschichte, Filmgeschichte und der persönlichen Lebensgeschichte von Leonard Nimoy und William Shatner (was die jüdische Kindheit beider und ihr Fuß fassen im Film und Fernsehgeschäft anging). Familiäre Wurzeln, die Shatner durchaus nicht unwichtig findet für das, was sich dann auch privat zwischen ihm und Nimoy entwickelt hat. Wobei der Leser viel vom damals erst beginnenden und dann Fahrt aufnehmendem Fernsehgeschäft erfährt, ebenso, wie über die Philosophie und Haltung zur Menschen von Gene Roddenberry, die von Beginn an einen großen Einfluss auf die Konzeption der Serie und deren Ansatz der “Gleichheit“ genommen hat. Dass in einer bestimmten Szene der “weiße“ Shatner die „schwarze „Nichols“ küsste und zugleich der „Vulkanier“ Spock eine „Menschenfrau“, das gehört dabei ebenso zur massiven Zeitkritik der damaligen Zeit, wie an sich der „Umgang mit Fremden“ von Toleranz geprägt war. Wie sich Shatner und Nimoy, vom Charakter her wie Feuer und Wasser, ihre Rollen je erarbeiteten, wie verschieden Ihre Arbeitsweise am Set war und das Nimoy immer schon langsam, aber stetig, seine Interessen, Leidenschaften und eben seine Rollen aneignete (und dabei keine Ruhe ließ, wenn ihn Details störten), das ist interessant zu lesen. Allein schon, was die „vulkanischen Monde“ angeht zeigt sich über das gesamte Buch hinweg die Akribie Nimoys, die ihn auch im Leben auszeichnete. Über die gesamte Strecke der Entwicklung erzählt Shatner in munterem Plauderton, vom mäßigen Erfolg der Serie mit doch bereits ersten, intensiven Fans über die Filme, die zu jener Bewegung wurde, die noch heute als „Trekkies“ eng mit dem Werk und den Schauspielern verbunden sind. Und verweist ebenfalls ehrlicherweise immer wieder auf die Härten des Anfangs und das Glück, das dazu gehört, Teil von etwas zu werden, was einen als Schauspieler wirklich bekannt macht, „Nimoys Großvater zumindest könnte in den Anfangsjahren ohne Weiteres am Zustand der Schuhe seines Enkels erkennen, ob es gerade gut lief oder nicht. Das ein solches Leben Spuren hinterlässt, das selten wirklich Freundschaften geschlossen werden, dass Ehen zerbrechen, der Rausch nicht nur mental im Raume steht und man doch gemeinsam auch vieles bewältigt hat, das sind die menschlichen Feinheiten, die dieses Buch zu einer anregenden Lektüre (nicht nur für „Trekkies“ gestaltet. Warm, persönlich, voller Geschichte und Details, eine Lektüre, die sich lohnt.