Leserstimme zu
Wenn Töchter erwachsen werden

Fachmännisch gut leserlich eräutert – eine echte Hilfe

Von: Jana Fundner
10.12.2016

Mutter eines Mädchens zu sein ist großartig! Mädchen sind so viele Jahre lang unglaublich putzig und niedlich, tragen süße Kleidung, man kann ihnen die Haare flechten und Zöpfe machen, sie spielen Teeparty mit ihren Kuscheltieren und frisieren ihre Puppen. Natürlich sind Mädchen auch oftmals frech, spielen mit Autos und springen in Pfützen – aber auch das ist niedlich! Und vor allem sind Mädchen kuschelbedürftig, reden über so viel: ihre Ängste, Gefühle, Freunde, Erlebnisse. Ja, auch Jungs tun das sicherlich. Aber heute soll es mal nur um die Mädchen gehen! Also: Mädchen sind großartig. Sie sind die beste Freundin der Mama. Und Mama ist ihre beste Freundin. Alles super. Bis dann eines Tages wie aus heiterem Himmel die Pubertät zuschlägt. Sie schließen sich in ihr Zimmer ein, telefonieren stundenlang mit ihren Freundinnen, während sie den Eltern gar nichts mehr erzählen und auf Fragen nur genervt reagieren. Sie wollen nicht mehr in die Schule gebracht werden und eine Umarmung oder gar ein Küsschen gibt es auf keinen Fall vor den Freunden. Es scheint, als wäre das eigene Kind von einem Tag auf den anderen ein anderer Mensch geworden. Viele Eltern sehen das jedenfalls genauso und verfluchen die Pubertät. In dem Buch „Wenn Töchter erwachsen werden“ geht es um genau diese Problematik. Doch aus einer ganz anderen Perspektive, als viele andere Ratgeber das Thema betrachten. Zwar wird hier genauso erläutert, wie sich das Kind verändert, es wird aber explizit darauf eingegangen, wie Eltern den Kindern durch diese schwere Phase helfen können. Während anderswo also die Eltern im Vordergrund stehen und ihnen Tipps gegeben wird, wie sie selbst besser mit der Situation umgehen sollten, werden sie in diesem Buch darauf gestoßen, was die Tochter braucht und wie man ihr die Lage erleichtern kann. Die Autorin Lisa Damour ist Doktor der klinischen Psychologie und betreibt in den USA eine eigene Praxis. Aus eben diesem Praxis berichtet sie teilweise in ihrem Buch „Wenn Töchter erwachsen werden“, das im Kösel Verlag erschienen ist. Außerdem kommt sie immer wieder auf Anna Freud zu sprechen, die ihrerzeit mal sagte, dass sich der typische Teenager „zu Hause wie ein rücksichtsloser Pensionsgast aufführt“. Ganz nebenbei gibt sie dem Leser ihres Werkes damit übrigens einen wirklich guten Lesetipp. Aber zurück zum vorliegenden Titel. Lisa Damour erläutert in einer sehr gut verständlichen Schreibstil, dass die Pubertät nicht nur für die Eltern, sondern vor allem für die zu einer Frau heranwachsenden Mädchen eine große Herausforderung ist. Sie geht auf die Gefühle und Probleme der Mädchen deutlich ein und macht den Eltern klar, was Kinder in dieser Phase nun am nötigsten brauchen und wie man als Elternteil am besten hilfreich zur Seite steht, wenngleich das Kind einen selbst manchmal in den Wahnsinn treiben könnte. Wie der Titel des Buches es bereits sagt, geht es dabei ausschließlich um Mädchen, die während der Pubertät ganz andere Probleme und Bedürfnisse entwickeln als Jungs. Es geht um die erste Liebe, um Enttäuschungen, um Probleme beim Essen, um den Missbrauch von Alkohol. Es geht um Gefahren, das Internet, Streit und Sex. Kein Thema, das Lisa Damour nicht anspricht! Wenngleich meine Tochter noch lange nicht in dem Alter ist, indem ich mir über die Pubertät Sorgen machen müsste, so fühle ich mich nach dieser Lektüre doch bereits jetzt besser vorbereitet und bestärkt diese Phase so gut es geht zu meistern. Man muss also noch gar keine Tochter in der Pubertät haben, um Lehrreiches aus diesem Buch mitnehmen zu können. Denn lehrreich ist es für Eltern auf alle Fälle!