Leserstimme zu
BLACKOUT - Morgen ist es zu spät

Auswirkungen auf Kernkraftwerke

Von: Huber Josef
01.01.2017

Ich habe gerade Ihr Blackout-Buch gelesen. Ich kenne mich etwas über Kernkraftwerke aus. Ich meine die Auswirkungen auf KKW durch einen Netzausfall sind stark überzeichnet (es steht natürlich Ihrer künstlerischen Freiheit zu alles ausfallen zu lassen, auch wenn es nicht realistisch ist). Bei einem Ausfall des Stromnetzes an das das KKW angeschlossen ist, entsteht für das Kraftwerk nicht zwingend ein Notstromfall. Das KKW schaltet auf Eigenbedarf (wie auch jedes andere Kraftwerk (z. B. Wasserkraftwerk). Damit bleibt das KKW in der Regel mit Strom versorgt und kann so beliebig lange weiter betrieben werden, Notstromdiesel sind nicht erforderlich. Sollte der Lastabwurf auf Eigenbedarf nicht gelingen, wofür eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, wird das Kraftwerk abgeschaltet, was aber auch nicht tragisch ist, da alle wichtigen Systeme für die Reaktoranlage, insbesondere die Systeme zur Abfuhr der Nachzerfallswärme notstromgesichert sind. Da ja kein Ereignis wie bei Fukushima (auslegungsüberschreitender Zunami, der die Notkühlsysteme beschädigte bzw. zum Ausfall brachte) vorliegt, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass nicht alle mehrfach redundanten Nachwärmeabfuhrsysteme auslegungsgemäß funktionieren (werden laufend geprüft, viele Fehler sind selbstmeldend). Von außen kann man an die Sicherheitssysteme nicht ran. Vereinzelt können jedoch Zufallsausfälle auftreten. Dass ohne besonderes äußeres oder inneres Ereignis die Ausfälle so massiv sind, dass alle Redundanzen - für die zur Abfuhr der Nachzerfallswärme beim Abfahren der Anlage keine besonderen Anforderungen bestehen, da ja z. B. kein Kühlmittelverluststörfall oder EVA-Ereignis vorliegt - ausfallen, ist schon sehr unwahrscheinlich. Der Notstromfall wird also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit beherrscht. Wenn nicht, gibt es noch eine Vielzahl von Notfallmaßnahmen um den Reaktorkern zu kühlen. Da kein KMV oder Flugzeugabsturz vorliegt, ist alles zugänglich und die Kühlung des Kerns ist mit den Notfallmaßnahmen ebenfalls langfristig sichergestellt bzw. man gewinnt dadurch Zeit um ausgefallene Komponenten wieder betriebsfähig zu machen. Der Dieselvorrat dürfte unter diesen Bedingungen mindestens eine Woche reichen, man braucht nach kurzer Zeit nur mehr einen Nachkühlstrang. Später würden auch Notfallmaßnahmen mit z. B. Feuerlöschpumpen ausreichen. Die Anlagen sind dafür vorgesehen. Seit Fukushima gibt es über die ursprüngliche Auslegung hinaus noch weitere Dieselaggregate und -vorräte auf der Anlage. Noch ein Wort zu KKP 1: Da auch Sie im Roman die Anlage als bereits abgeschaltet unterstellt haben, ist die einzige sicherheitstechnische Aufgabe das BE-Lagerbecken zu kühlen. Eine Kühlung des Reaktors, wie Sie es beschrieben haben, ist nicht erforderlich. Da die Anlage für die Beherrschung von Störfällen ausgelegt ist, die aus einem Reaktorbetrieb entstehen, ist die jetzt nur mehr einzige Aufgabe, das BE-Becken zu kühlen, marginal. Nach einiger Zeit ist die Nachzerfallsleistung der BE im Becken im Vergleich zur Auslegung nur mehr sehr gering. Zur Kühlung gibt es neben den betrieblichen Systemen notstromversorgte mehrsträngige Systeme. Darüber hinaus auch Notfallmaßnahmen, z. B. über Feuerlöschpumpen (die auf der Anlage vorgehalten und geprüft werden). Zudem dauert es schon lange bis bei einem Totalausfall 100 °C erreicht werden. Anschließend kann man von der Verdampfungswärme Kredit nehmen. Bis einige 1000 m³ verdampft wären, dauert es Tage wenn nicht Wochen. Soweit kann es m. E. nicht kommen, da man z. B. nur mit einer Feuerlöschpumpe etwas Wasser (wenige Liter pro Sekunde) in das Becken Nachspeisen muss. Das wird wohl zu schaffen sein. Also da eine Schmelze wie in Fukushima zu konstruieren ist schon sehr weit hergeholt. Wie gesagt einen Zunami gibt's bei uns nicht. Warum Sie auch gerade bei Gundremmingen ein Problem sehen ist mir schleierhaft. Gerade dort wurde vor einiger Zeit ein zusätzliches diversitäres Not- und Nachkühlsystem (ZUNA) einschließlich diversitärem Notstromdiesel nachgerüstet.