Leserstimme zu
Zurück nach Hollyhill

Ein Dorf, das durch die Zeit reist...

Von: Nelly
19.01.2017

Ich liebe Zeitreisegeschichten!! Wenn sie gut gemacht sind… Nach der Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier wurde mir von allen Seiten die Hollyhill-Reihe empfohlen. Und egal wen ich gefragt habe, alle waren restlos begeistert. Nachdem ich den Klappentext studiert hatte, war ich auch schon sehr angetan. Immerhin reist hier nicht nur ein Mensch durch die Zeit, sondern auch gleich ein ganzes Dorf. Ich war daher unglaublich gespannt, wie Alexandra Pilz ihre Geschichte konstruiert hat. Der Inhalt Hollyhill – das Dorf, das durch die Zeit reist Wie weit würdest du gehen? Um das Geheimnis deiner Herkunft zu lüften, den Jungen deiner Träume zu bekommen und deine Freundin zu retten? Für die 17-jährige Emily werden diese Fragen plötzlich entscheidend, als sie nach dem Abitur in das geheimnisvoll einsame Dartmoor reist, um das Dorf ihrer verstorbenen Mutter zu finden. Ein Dorf, das auf keiner Karte eingezeichnet ist. Das jedoch genau der Junge kennt, der in Emily von der ersten Sekunde an Gefühle auslöst, die irgendwo zwischen Himmel und Hölle schwanken … Emily kann es nicht fassen! Am Tag ihres Abiturs erhält sie einen Brief ihrer verstorbenen Mutter, in dem diese Emily in geheimnisvollen Worten beschwört, das Dorf aufzusuchen, das einst ihre Heimat war. Kurzerhand steigt Emily in München ins Flugzeug – und landet allein und vom Regen durchnässt mitten im englischen Dartmoor. Hilfe naht in Form eines Geländewagens, darin Matt, der attraktivste Junge, den Emily je gesehen hat. Als sie ihn nach dem Weg nach Hollyhill fragt, verändert Matt sich jedoch schlagartig. War er zuvor offen und hilfsbereit, stimmt er nun nur widerwillig zu, Emily nach Hollyhill zu bringen. Nach einer abenteuerlichen Fahrt durch das einsame Moor landen sie schließlich in dem winzigen Dorf, dessen Bewohner zwar alle ein wenig schrullig, aber freundlich zu Emily sind. Nur Matt, der Junge, in den sie sich Hals über Kopf verlieben könnte, gibt ihr bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Gefühl, unerwünscht zu sein. Bis eines Nachts ein Mörder auftaucht und Emily entführt. Und plötzlich findet sie sich im Jahr 1981 wieder – und dort sind die gewöhnungsbedürftige Mode und ein grimmiger Matt ihr geringstes Problem … [ Quelle: Heyne fliegt ] Meine Meinung Emily ist gerade einmal 17 Jahre alt und steht kurz vor ihrem Schulabschluss, als ihr ihre Großmutter einen Brief überreicht. In diesem Brief drängt ihre Mutter, die schon seit Jahren tot ist, Emily dazu, nach England zu reisen, um ein Dorf namens Hollyhill zu finden. Bei einem Unfall verlor Emily beide Elternteile auf einmal, weswegen sie bei ihrer Großmutter väterlichenseits aufgewachsen ist. Seit sie 4 Jahre alt war, hatte Emily keine Eltern mehr. Ihre Erinnerungen an sie sind blass und von ihrer Mutter weiß sie lediglich, dass diese in England aufgewachsen ist. Nun wird Emily durch einen Brief, der über 13 Jahre alt sein muss, in ein anderes Land zitiert, um nach einem Dorf zu suchen, das sich noch nicht einmal auf einer Karte finden lässt. Doch das Glück scheint es gut mit dem jungen Mädchen zu meinen. Während sie im englischen, regnerischen Sumpf herumirrt, wird sie tatsächlich von einem Jungen aufgegriffen, der sie direkt ins Dorf führen kann. Doch obwohl es so scheint, als würde man Emilys Mutter dort tatsächlich kennen, stehen die Bewohner dem Neuankömmling recht feindseelig gegenüber. Was mir direkt auf den ersten Seiten aufgefallen ist, war der sehr plötzlich Einstieg in die Geschichte. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass man als Leser langsam an die Geschichte herangeführt wird, die Charaktere kennenlernt und sich mit dem Schreibstil vertraut machen kann. Aber Frau Pilz schien solches Vorgeplänkel für unnötig zu halten. Zu dem Zeitpunkt, zu dem die Geschichte beginnt, hat Emily den besagte Brief von ihrer Großmutter bereits erhalten und plant mit ihrer besten Freundin Fee bereits die Reise nach England. Ich kam mir ganz kurz so vor, als wäre ich ins kalte Wasser gestoßen worden und müsste jetzt mit Schnappatmung erst einmal wieder die Orientierung finden. Anfangs war ich wirklich verwirrt über diesen abrupten Einstieg, doch schon nach ein, zwei Seiten hatte ich mich gefangen und dann fand ich den Beginn richtig gut. Es wird nicht ewig an das eigentliche Geschehen herangeführt, sondern Frau Pilz stellt ihre Charaktere im Laufe des Buches vor. Dadurch bekommt man das Gefühl, als würde man nicht in eine völlig unbekannte Geschichte eintauchen. Die Story nimmt dann auch relativ schnell Fahrt auf und bleibt die ganze Zeit über sehr rasant. Trotz, dass ich wusste, dass das ganze Dorf in der Zeit reist, weiß man als Leser lange Zeit nicht so recht, wo das Ganze hinführen wird. Auch habe ich von Anfang an gemutmaßt, dass Emily sich in den geheimnisvollen Matt verlieben wird, doch Alexandra Pilz nimmt hier nicht den direkten Weg. Sie baut immer wieder kleine Ausreißer ein. Das war super für die Spannung und war damit so gar nicht kitschig. Einziges kleines Manko für mich war Emily selbst, denn sie blieb mit etwas zu farblos. Sie machte den Eindruck einer 08-15-Protagonistin, die keine Ecken und Kanten aufweist und sich damit in meine Erinnerung drängt. Sie macht einen dermaßen perfekten Eindruck, dass sie einfach so allglatt durch die Geschichte rutscht. Eine kleine Zickerei hier oder ein winziger Ausraster da hätten ihr vielleicht mal ganz gut getan. Da war mir ihr Gegenpart Matt schon um einiges lieber. Denn dieser ist stellenweise auch mal so richtig schön unsympathisch und kam mir dadurch so viel realistischer und authentischer vor. Positiv hervorzuheben ist auch Pilz‘ prägnanter Schreibstil. Wundervoll fand ich vor allem die zahlreichen Vergleiche mit bekannten Film- und Buchtiteln. Sie verbindet Fiktion und Realität auf ganz grandiose Art und Weise miteinander. Das Tempo war zu fast jedem Zeitpunkt perfekt gewählt. Mal ging es etwas gemächlicher und dann zog die Story wieder mächtig an. Ich mochte diesen leichten Schreibstil unglaublich gerne. Mein Fazit Wer etwas von Zeitreisegeschichten hält und diese gerne liest, der kommt über kurz oder lang wohl nicht um Zurück nach Hollyhill rum. Die Idee mit dem in der Zeit reisenden Dorf kommt in Band 1 vielleicht noch nicht ganz so sehr zum Tragen, doch das Buch macht definitiv Lust auf mehr. Eigentlich hatte Pilz‘ Auftaktband alles, was man sich nur wünschen konnte: Spannung, Action, Fiktion und eine schöne Portion Romantik. Wer sich hier nicht gut unterhalten fühlt, ist selber schuld.