Leserstimme zu
Anna Sacher und ihr Hotel

Ganz großes Kopfkino - in HQ !

Von: Otto Löffler
06.02.2017

Welche Lebensphasen sind wertvoller für unser persönliches Wachstum? Sind es die großen Erfolge oder sind es doch die Niederlagen ? Nun, sobald wir die Wucht der ersten Emotion einmal überwunden haben, wissen wir ziemlich genau was uns nachhaltig weiter bringt und stärker macht oder was uns eher zum Stillstand verführt. Trotz alledem möchten wir aber keine Masochisten sein und nur noch die Niederlagen suchen ! Wir könnten ja schließlich auch noch von Anderen lernen. Und genau deshalb empfehle ich so gerne Biographien. Allerdings, nur gut recherchierte Biographien ! Die Lebensgeschichte der Anna Sacher ist hier ein gutes Beispiel. Zahlreiche Komponenten sind es, die dieses Buch so interessant, lehrreich und zugleich unterhaltsam machen. Davon möchte ich drei der stärksten Säulen hervorheben. Einerseits die herausragende Persönlichkeit der talentierten Gastgeberin. Sie war eine kluge Unternehmerin und eine umsichtige Chefin. An ihrem Umgang mit den Bilden des Geschäfts und der besonderen Zeit, können wir sehr viel für uns selbst und unser Geschäft lernen. Die Hauptstadt des Kaiserreichs rund um die Jahrhundertwende, scheint der absolute Mittelpunkt der Welt gewesen zu sein. Der Ringstraßenbau und die Weltausstellung sollten die Stärke und Macht des Kaiserreichs und der gehobenen Gesellschaft demonstrieren. Und doch stand vieles, wenn nicht gar alles, bereits auf Veränderung. Die stärker werdende Industrialisierung, änderte die Lebensumstände der „einfachen Leute“ ganz dramatisch. Der wachsende Antisemitismus und der immer stärker werdende Nationalismus verwandelten die Welt mehr und mehr in ein Pulverfass. Dabei machte die feine Gesellschaft ihre guten Geschäfte und feierte sich selbst. Kommt Ihnen das vielleicht bekannt vor ? Genau - in Zeiten wie diesen, kann man aus der Geschichte viel lernen, wenn man denn bereit dazu ist ... Und drittens, was dieses Buch so besonders lesenswert macht, ist die hervorragende Arbeit der Autorin. Monika Czernin hat die genau recherchierten Fakten so lebendig zu Geschichten geformt dass sie in des Lesers Kopfkino, fast real werden. So sollten gute Biographien sein. Denn wenn wir mitten in der Geschichte sein dürfen, dann können wir auch die Protagonisten verstehen und von ihnen sehr viel lernen ...