Leserstimme zu
Die Unsterbliche - Die Alchimistin II

Die Unsterbliche - Die Alchimistin II (Kai Meyer)

Von: Poldi
16.02.2017

Aura Institoris hat zwar ihr Ziel erreicht und die Unsterblichkeit erlangt - doch was nützt ihr ewiges Leben, wenn sich ihre große Liebe Gillian genau deswegen von ihr abwendet? Und so macht sich Aura auf die Suche nach dem Verbum Dismissum, einem schöpferischen Wort, von dem sie hofft, ihre Liebe retten zu können. Doch diese Suche führt sie quer durch Europa an geheimnisvolle Plätze, und bald muss sie sich wieder ihrer Feinde erwehren... „Die Alchimistin“ war der große Durchbruch für Kai Meyer als Autor der deutschen Phantastik, und da sowohl in der wunderbaren Rolle der Hauptfigur Aura als auch in der düsteren Szenerie noch jede Menge Potenzial steckte, hat Meyer eine Fortsetzung namens „Die Unsterbliche“ verfasst. Der Roman setzt nicht nahtlos an den Vorgänger an, zwischen den beiden Bänden gab es einige Ereignisse, die hier im Laufe der Zeit aufgearbeitet werden. So ist es kein klassischer Mehrteiler, dennoch sollte man den ersten Band schon kennen, um alle Hintergründe zu begreifen, denn nur so entfaltet sich der volle Reiz der Handlung. Auch hier ist wieder diese sehr düstere, magisch angehauchte Welt, die Mayer aus Worten erschafft, faszinierend und eindringlich zugleich, eine der großen Stärken des Romans. So wird jede Szene zu etwas Besonderem, hat ihren eigenen Ausdruck und ihren wichtigen Platz im Gefüge der Handlung. Beeindruckend ist auch wieder die Charaktergestaltung, allen voran natürlich Aura. Sie hat sich über die Jahre, die im Buch vergangen sind, zu einer harten, beinahe verhärmten Frau entwickelt, doch ihre Wandlung ist hier noch lange nicht abgeschlossen – es ist sehr schön, sie weiter auf ihrem Weg begeleiten zu dürfen. Und auch die anderen Charaktere sind sehr schlau inszeniert und offenbaren erst im Laufe des Romans, was alles in ihnen steckt. So wandelt sich die eine oder andere vermeintlich etwas blass gezeichnete Nebenrolle zu einem sehr reizvollen Element der Geschichte, sodass man fast versucht ist, nochmal ein paar Seiten zurückzublättern und gewisse Anzeichen zu entdecken – und diese gibt es tatsächlich. Sehr geschickt geschrieben! Und nicht zuletzt ist „Die Unsterbliche“ sehr spannend. Eine enttäuschte Liebe, die Suche nach einem mysteriösen Wort, bei dem merkwürdige Symbole auftauchen, eine Hetzjagd durch Europa, Vertraute, die sich plötzlich gegen einen Stellen, dazu eine Vielzahl magischer und alchemistischer Anmerkungen – eine sehr gelungene und atmosphärisch dichte Handlung, die mich völlig in ihren Bann ziehen konnte.