Leserstimme zu
Mein Leben als Zucchini

Ob der Kinofilm da noch mithalten kann, wenn das Buch schon so besonders toll ist?

Von: Floh
17.02.2017

Aktuell ist dieses Kinderbuch aktueller denn je. Den parallel zum schönen Kinderbuch läuft auch die Verfilmung dieser Geschichte als Animationsfilm in den Kinos an. „Mein Leben als Zucchini“ trägt so einen witzigen Titel, dass man gleich zweimal hinschauen muss um ihn richtig gelesen und verstanden zu haben. Tatsächlich, hier geht es um eine Zucchini, eher gesagt um einen Jungen, der so genannt werden will. Der französische Autor Gilles Paris hat einen wirklichen Schatz niedergeschrieben. Ein Buch voller warmer Botschaften, voller Tränen, voller Glück und lieber Umarmungen. Gilles Paris kleidet mit Zucchinis Worten ein Kaleidoskop aus den schillerndsten Farben des Lebens. So wie Icare seine Welt lernt wahrzunehmen und das Leben endlich zu leben. Wer Interesse an einem sehr harmonischen und witzigen Kinderbuch für offene Leser und Leserinnen ab etwa 9 oder 10 Jahren hat, der sollte sich Gilles Paris´ Kinderbuch „Mein Leben als Zucchini“ nicht entgehen lassen. Warm, herzlich, klar, mitfühlend, abenteuerlich, losgelöst und überraschend lebensfroh. Hier ist ein sympathischer und schlagfertiger Junge die Hauptfigur und wir (Vor-) Leser und Zuhörer dürfen uns mit Icare, sorry Zucchini, und seinem Wunsch nach Geborgenheit und echter Familie auf ein wunderbares und unvergessliches Abenteuer begeben. Wunderbare (Vor-) Lesemomente und besonders feinfühlige Botschaften des sozialen Zusammenlebens, der Selbstbehauptung, der Courage, des Mitgefühls und der Familie. Erschienen im Knaus Verlag (https://www.randomhouse.de/Verlag/Knaus/11000.rhd) Inhalt / Beschreibung: "Nicht jeder hat das Glück, ein Waisenkind zu sein! Zu diesem Schluss kommt der kleine Icare, Spitzname Zucchini, als er nach dem tragischen Tod seiner Mutter in ein Waisenhaus eingewiesen wird - denn hier kann er zum ersten Mal nach Herzenslust leben. Zucchinis Glück scheint vollkommen, als die grünäugige Camille ins Waisenhaus kommt. Doch die Glücksfee hält noch ein letztes Geschenk bereit... Gilles Paris‘ einfühlsam aus der Sicht eines Neunjährigen erzählter Roman ist eine wunderbare Liebeserklärung an die Kinder – an ihre unsentimental klare Weltsicht, ihren geradlinigen Mut und ihre Bereitschaft vorbehaltlos zu lieben. Eine Geschichte voller Poesie, fein changierend zwischen lebensklugem Humor, Nachdenklichkeit und Situationskomik und Hoffnung. Dieses lebenskluge Buch erinnert daran, wie großmütig und nachsichtig die Kinder dieser Welt mit den Erwachsenen sind." Meinung: Mit „Mein Leben als Zucchini“ hat sich der französische Autor Gilles Paris sehr schwierige und sensible Themen für ein Kinderbuch zur Aufgabe gemacht. In Deutschland ist dieser aktuell verfilmte Roman unter dem Titel „Autobiografie einer Pflaume“ 2004 erstmals erschienen. Zum Kinostart erscheint es nun als Buch zum Film mit dem Titel „Mein Leben als Zucchini“ mit dem Cover des Filmplakates. Icare lebt in ungünstigen Familienverhältnissen. Sein Vater hat sich mit „der Pute“ auf und davon gemacht, die Mutter lebt ein Leben vor der Flimmerkiste und Trinkt. Icare vertraut sich lieber einem Apfel an, als mit seiner Mutter zu reden. Icare ist von der Welt enttäuscht und möchte den Himmel am liebsten umbringen. Sehr bildhaft und aus der Erzählperspektive dieses einsamen Jungen erzählt dieser Roman von äußerst traurigen Momenten, die aber durch die besondere Sprache und Gedankenkunst aus Icares Weltanschuung irgendwie entzückend und minimal weniger schlimm wirken, auch wenn die Zustände wirklich schlimm sind… Dann passiert ein Unglück und Icare erschießt seine eigene Mutter. Punkt. Pause. Sortier. Ja wirklich, ein Schuss und anstatt der Himmel, ist die Mutter tot. Icare kommt in ein Kinderheim. Und jetzt beginnt der Roman richtig toll zu werden. Nicht nur die Pfleger freunden sich schnell mit dem Neuankömmling an, sondern auch ich als Leserin bin von seinen klugen, ironischen, witzigen, überraschenden und spontanen Sprüchen einfach nur begeistert. Mit Zucchini und seinen neuen Freunden, echten Freunden, die sich wie Familie anfühlen, können sich junge Leser schnell identifizieren, für Jungen und Mädchen wird diese Geschichte ein spannendes Abenteuer und eine Herzensangelegenheit beherbergen. Neben all dem neuen Umfeld, der vielen neuen Gesichter und Regeln, einer richtigen Struktur im Tagesablauf und einer neuen Umgebung und Wertschätzung erleben wir eine Zucchini, die erstmals eine echte Zucchiniblüte trägt. Icare blüht wirklich auf und lernt wirklich zu Leben und dieses Leben zu lieben. Das rührt den Leser so sehr, dass mir ganz warm ums Herz wurde. … Und jetzt fängt die Geschichte erst richtig an, und Icare verliebt sich. Er lernt nicht nur Liebe zu empfangen, sondern auch ehrliche Liebe zu spenden. Zusammen mit seinen neuen Freunden, die alle so unterschiedlich sind und so viel trauriges erlebt haben, was sie nun verbindet und zusammenschweißt, da wären zum Beispiel sein neuer Freund Simon, der immer ängstliche Ahmed, der Gourmet Jujube, die kleine Beatrice und Alice und natürlich seine Camille. Dieser Zusammenhalt ist dem Autor wirklich nett gelungen und Icare bringt mit seinen Sprüchen und seiner klaren kindlichen Sicht eine ganz neue Sichtweise auf gewisse Dinge. Ob von kleiner oder großer Bedeutung. Das ist hier ganz egal. Ich fühlte mich wie in einem bunten Kinderkinofilm mit einer absolut lebhaften Handlung. Ob der wirkliche Film das ebenso schafft wie dieses Buch? Das Buch ist jedoch kein gewöhnliches oder ganz einfaches Buch. Es spricht viel in einer kindlichen Sprache, die sich nicht immer sofort dem erwachsenen Leser erschließt und daher nicht ganz flüssig wirkt. Aber in Anbetracht der witzigen Floskeln, humorvollen Dialoge, spritzigen Ideen und der Situationskomik und lustigen und ehrlichen Metaphern, steigt mein Zufriedenheitsbarometer steil an. Dieses Buch sehe ich als eine gelungene Geschenkidee für kleine Leseratten und Geschichtenliebhaber. Und da sich dieses Buch wunderbar vortragen lässt, bereitet es auch mir große Freude es meinen Kindern vorzulesen. Oder es einfach als Erwachsener mal für sich zu genießen. Das Buch ist sehr hochwertig verarbeitet, der Einband absolut nobel und qualitativ, die Seiten sind angenehm fest, und eine harmonische Farbgestaltung im Coverdesign insgesamt. Mit Wiedererkennungswert zum aktuellen Kinohit. Ein empfehlenswertes Buch für die ganze Familie, denn um die Familie geht es hier in diesem Buch auch. Um Familie, Vertrauen, Freundschaft, Miteinander, Füreinander und Zusammenhalt. Hochwertige Verarbeitung, ein schön gestaltetes Hardcover und gute Qualität. Der Autor: "Gilles Paris ist Pressechef eines großen Pariser Verlagshauses. 1991 hat er seinen ersten Roman veröffentlicht: "Papa et Mama sont mort" wird derzeit verfilmt. Sein zweiter Roman "Autobiografie einer Pflaume" war auf Anhieb ein Bestseller." Die Übersetzerin: „Melanie Walz, geboren 1953 in Essen, wurde 1999 mit dem "Zuger Übersetzer-Stipendium", 2001 mit dem "Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Preis" und 2015 mit dem Übersetzerpreis der Stadt München ausgezeichnet. Sie ist die Übersetzerin von u. a. Antonia Byatt, John Cooper-Powys, Lawrence Norfolk.“ Bezug zur Gegenwart: Immer wieder werden die unglücklichen Zustände einiger Kinderheime und Waisenhäuser zum Thema gemacht. Da ist dann die Rede von bösen und überlasteten Mitarbeitern, Vernachlässigung, mangelnde Fürsorge und Erziehung, bedrücktes Klima und Schikane. Dass es aber auch ganz anders ausschauen kann, zeigt dieses Buch und deutet damit klar darauf hin, dass ein heimplatz für einige Kinder eine wirkliche Rettung und eine Chance sein kann. Ein erster Eindruck vom Gefühl einer Familie. Auch wenn diese hier dann nicht aus dem Modell Vater, Mutter, Kind besteht, sondern aus vielen anderen Kindern, Kinderpflegern und Hausangestellten. Ein Blick, der trotz aller Traurigkeit unheimlich optimistisch und hoffnungsvoll fröhlich stimmt. Fazit: Ein sehr herzallerliebstes, sympathisches und bedeutendes Buch, welches trotz aller Traurigkeit so sonderbar urkomisch ist, dass man es einfach lieben muss. Für alle Kinobesucher der Verfilmung hoffe ich, dass der Animationsfilm genau das so hinbekommt wie dieses überraschende Kinderbuch! 4 Sterne vergebe ich für diese liebevolle Geschichte um Icare, der Zucchini und dem Waisenhaus.