Leserstimme zu
Jetzt, Baby

Tolle vielfältige Texte

Von: Emma Zecka
17.03.2017

Jedes Mal wenn ich ein Hörbuch von Julia Engelmann beendet habe, frage ich mich, wie ich das jetzt rezensieren soll. Es ist kein klassisches Buch, erzählt aber dennoch eine Geschichte. Eine Geschichte, die man eigentlich selbst hören muss, um sie ganz erfassen zu können. Aber beginnen wir von vorn... Wie immer liest Julia Engelmann ihre Texte selbst. Ich mag ihre vielfältige Art der Interpretation. Manchmal glaube ich, sie sitzt mir gegenüber und ist auf der Suche nach den richtigen Worten. Dann nimmt sie mich wieder mit auf eine Karussellfahrt. Wir beginnen mit der Umrundung, drehen uns immer schneller und schneller, bis wir schließlich wieder am Anfang ankommen aber trotzdem mehr wissen, als zu Beginn. In Jetzt, Baby bekommen wir wieder eine Vielzahl unterschiedlicher Texte geboten. In manchen Texten wie beispielsweise in Fiktive Romanze spricht sie das Gegenüber direkt an. Man weiß genau, wie sie sich als Erzählerin fühlt, kann sich den Angesprochenen aber auch bildhaft vorstellen. Dann gibt es aber auch die nachdenklichen Texte, in denen sie auf sprachliche Bilder zurückgreift. Wie in der Ballade vom König. Sie berichtet von Einsamkeit, dem Wohlfühlen im leeren Schloss aber auch dem Wunsch nach Gesellschaft und der Freiheit. Während es in manchen Texten die Anrede des Gegenübers braucht, wird hier die Problematik allein durch das sprachliche Bild, das Ausschmücken der Situation, überdeutlich. Das sorgt wiederum bei mir dafür, dass ich mich in Julia Engelmanns Texten wiederfinde. Selten schreibe ich mir so viele Zitate heraus :-). Im Übrigen hat sie für Jetzt, Baby ihre erste Ouvertüre komponiert. Da ich leider rein gar nichts von Musik verstehe, kann ich überhaupt nicht beurteilen, wie viel Arbeit dahinter steckt. Allerdings wären ein paar musikalische Kompositionen zwischen den Texten vielleicht nicht schlecht gewesen. So wäre ich etwas zur Ruhe gekommen und hätte die Texte auf mich wirken lassen können. Obwohl Julia Engelmann ja keine klassischen Romane schreibt, in denen es darum geht Handlungsstränge aufzubauen, zu verstricken nur um sie am Schluss wieder auflösen zu können, habe ich dennoch das Gefühl, dass sie auch hier wieder eine Geschichte erzählt. Zu Beginn begeben wir uns auf eine Reise und am Ende jeden Hörbuchs kommt sie nochmal auf den Anfang zurück und uns wird die Route unseres Trips klar. Diese Kunst, eine Geschichte ohne Charaktere, sondern ausschließlich anhand von Texten zu erzählen, finde ich genial.