Leserstimme zu
DEMUT

Kein Pageturner in meinen Augen

Von: goat aus Niedersachsen
14.04.2017

Harry Svensson, ehemaliger Journalist, hat seinen Job bei der Zeitung eigentlich gekündigt. Als er jedoch nach einem geplatzten Date in sein Hotelzimmer zurückkehren will, findet er die Tür des Nachbarzimmers nur angelehnt vor. Von Berufs wegen treibt ihn die Neugier ins Zimmer und er findet dort den völlig betrunkenen Sänger Tommy Sandell schlafend vor – neben ihm die Leiche einer unbekannten Frau. Natürlich ist das für Harry ein gefundenes Fressen und er kann sich diese Story einfach nicht entgehen lassen. Noch während er als freier Journalist wieder tätig wird, taucht eine weitere Leiche auf und dabei handelt es sich ausgerechnet um Harry geplatztes Date. Der Mörder scheint Harry schon längst im Visier zu haben, denn eine private Email an ihn deutet auf eine gemeinsame Vorliebe der beiden hin … Als Protagonist hat mich Harry Svensson leider nicht überzeugen können. Der Funke wollte einfach nicht überspringen. Dabei kann ich nicht sagen, dass er mir zu unsympathisch war. Aber irgendwie kam da so gar nichts bei mir an. Für einen Thriller mit über 700 Seiten hätte ich auch einiges mehr an Spannung erwartet. Stattdessen zerredet der Autor die Geschichte und hält sich zu sehr an nebensächlichen Dingen auf, die für den Fall nicht maßgeblich sind. Solche Längen gehen bei einem Thriller natürlich überhaupt nicht. Die Spannung bleibt einfach auf der Strecke. Einzig die letzten Seiten nehmen etwas an Tempo auf. Mats Olsson lässt die Protagonisten aus der Ich-Perspektive erzählen, was zumindest die Erzählweise – auch durch die stetigen Perspektivwechsel – etwas interessanter gestaltet. Allerdings ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, wer denn nun gerade erzählt, der Mörder oder der Journalist. Die Polizei kam mir im Großen und Ganzen etwas untätig vor – allem voran Eva Månsson, die als Ermittlerin auch recht unkonventionelle Wege beschreitet. „Demut“ ist der Start in eine neue Buchreihe, die ich jetzt aber nicht unbedingt weiter verfolgen muss. Sollte mir der zweite Band zufällig in die Hände fallen, werde ich ihn lesen, aber darauf warten werde ich nicht. Die Geschichte ist ok, aber definitiv kein Pageturner. Von mir gibt es drei solide Sterne.