Leserstimme zu
Aufenthalt auf Erden

„Aufenthalt auf Erden“ Pablo Neruda. Gedichte. Sammlung Luchterhand

Von: Walter Pobaschnig _ wortweg08
23.04.2017

„Aufenthalt auf Erden“ Pablo Neruda. Gedichte. Sammlung Luchterhand Die 1920er Jahre. Weltweit eine Aufbruchszeit nach den Schrecken des Krieges. Kunst und Kultur gewinnen wieder Raum, der den unheilvollen Patriotismus der Kriegsjahre hinter sich lassen will. Das ist in Europa so wie in den Kontinenten… „Wer?, auf Wegen, wer…in Schatten, in Blut, wer? …und Stein und Tod und Klage und Flammen, wer, wer, o Mutter, wer, wohin?“ (Bombardement; Pablo Neruda) Südamerika. Da ist ein junger Student an der Universidad de Chile in Santiago, der in der Sprache seinen täglichen Erfahrungen Form zu geben sucht und die umgebende Lebenswelt reflektiert. Er ist Lehramtsstudent (Französisch) doch die Existenz eines Dichters und das Verständnis, Beschreiben von Welt inspirieren den 25-Jährigen sehr und werden zum Ziel. Schon als Jugendlicher nimmt er an Lyrikpreisen teil und erfährt erste Anerkennung. Doch die Angst vor der Missbilligung des Vaters ist groß und so wählt er ein Pseudonym: Pablo Neruda. Als er beim Poesie-Frühlingsfest der Universität den Hauptpreis gewinnt, finanziert er selbst eine erste Veröffentlichung. Die Türe zum Weg als Dichter in die Welt öffnet sich jetzt… Der vorliegende deutschsprachige Gedichtband „Aufenthalt auf Erden“ im Luchterhand Verlag versammelt die drei wesentlichsten Gedichtzyklen des chilenischen Nobelpreisträgers (1971) Pablo Neruda aus den Jahren 1933-47. In den Gedichten bildet sich einerseits die persönliche Entwicklung des Menschen und Schriftstellers ab, der in einer politisch unruhigen Zeit, die in die größte Katastrophe der Geschichte führt, das Wort als Möglichkeit von Erkenntnis und Veränderung und damit individueller Zukunft versteht, anderseits formt sich die Sprache im Duktus einer leidenschaftlich dialogischen Beziehung mit Natur, Schönheit und Liebe, die der Poet als wesentliche Wahrheiten der Menschheit in aller Verlassenheit erkennt und als Hoffnung benennt: „…Ich halte in meiner Hand die Taube, die, auf den Samen geneigt, schlummert…“ (In den Wäldern geboren) Pablo Neruda, Aufenthalt auf Erden, Sammlung Luchterhand Walter Pobaschnig, Wien 1_2017 https://literaturoutdoors.wordpress.com https://literaturoutdoors.wordpress.com/Rezensionen