Leserstimme zu
Courage zeigen

Erstaunlich gut und absolut ehrlich

Von: Ela Kranz aus dem Lehrercafe
28.05.2017

Das Cover zog mich regelrecht an, der Blick des für mich sehr bekannten Sebastian Krumbiegel zwang mich nahezu, das Buch zu öffnen und zu lesen. „Courage zeigen - Warum ein Leben mit Haltung gut tut“, was für ein Titel. Er verspricht viel? Hält er es auch? Ja. Eigentlich sollte diese kurze Antwort genügen, um nicht allzu viel vorwegzunehmen. Aber dennoch, es lohnt sich absolut, dieses Buch zu lesen und mit ein paar Gedanken zu diesem Buch möchte ich es erläutern. Bereits im Vorwort wurde mir klar, dass ich dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen würde, bis es ausgelesen ist. Der Prinz unterhält. Nicht erst, seit er Mitglied der Gruppe „Die Prinzen“ ist, sondern sein ganzes Leben schon unterhält er Menschen. Von dieser Unterhaltung ausgehend merkt er irgendwann, dass in diesem Wort der Begriff Haltung steckt und sich für ihn eine Art Kreis schließt, da er als Unterhalter jegliche sich ihm bietende Bühne nutzt, um seine Haltung klar zu offerieren. Ein überaus gelungener Einstieg, und ich muss zugeben, dass ich sehr skeptisch war, ob ein Musiker wie er es auch schafft, mich im Buchformat zu unterhalten. Die sich anschließenden Kapitel beschreiben sorgfältig ausgewählte und eigens erlebte Geschichten, mit denen er versucht, dem Leser zu verdeutlichen, wie wichtig es im Leben ist, eine Haltung zu haben. Dabei taucht er sehr offen und ehrlich in seine Schulzeit ab und man kann auf eine witzige und humorige Art und Weise lesen, welche Protestaktionen Sebastian schon als Schüler gegen Lehrer los lies, um seine Haltung bereits in jungen Jahren klar zum Ausdruck zu bringen. Er beleuchtet viele Aspekte, die seiner Haltung immer wieder Ausdruck verliehen haben im Leben und schreibt dazu die herrlichsten, authentischen, nachdenklichen und auch denkanregenden Anekdoten seines Lebens. Bereits im zweiten Kapitel kommt er der Frage nach, hätte er in der Nazizeit gelebt, ob für ihn ein „Mitmachen“ bei all den Gräueltaten denkbar gewesen wäre. Die absolut ehrliche Einschätzung, dass es anmaßend sei, zu sagen „ich hätte mitgemacht bzw. ich hätte es definitiv nicht getan bzw. ich wäre im Widerstand tätig gewesen“ lässt den Leser klar erkennen, auf welchem Weg er zu seiner Meinung findet. Er beschreibt, dass er nachvollziehen kann, wie sich Menschen (am Beispiel seiner Oma) zu dieser und auch zu anderer Zeit (DDR-Regime, Stasi, am Beispiel des Thomaskantors) verhalten haben, wie ihnen Verhaltensweisen leid taten und wie er, Sebastian, daraus gelernt hat. Und so gibt es zahlreiche weitere Erlebnisse, die das Buch beschreibt, aus denen Sebastian heraus gewachsen und gereift ist und damit zu seiner eigenen Haltung im Leben finden konnte. Er erzählt von allerlei Menschen, die ihn zu seiner Haltung geführt haben oder ihn zumindest begleitet und motiviert haben. Was mich als Leserin zutiefst berührt hat, ist die unabdingbare Liebe zu seiner Familie und die anerkennende Erziehungsleistung durch seine Eltern. Des Weiteren berührt Sebastian Krumbiegel dadurch, dass er erlebte Situationen stets versucht in späteren Jahren aufzugreifen, in dem er die Menschen wiedertrifft, mit denen er Konflikte ausgetragen hat, die nicht gut zu ihm waren oder die auch er verletzt hat durch seine manchmal nicht immer gelungenen Aktionen. So erfährt der Leser auch Hintergründe, Ursachen und vor allem, was aus den Menschen geworden ist, mit denen er Kontakt hatte. Was auffällt: Er betrachtet häufig Geschehnisse bezgl. Fremden in unserem Land nur aus seiner Sichtweise und lässt wenig Raum in seinem Buch für Menschen bzw. lässt diese nicht zu Wort kommen, die über die aktuell politische, soziale und fremden orientierte Lage anders denken und agieren. So hat seine Haltung nicht immer nur etwas mit Courage zu tun sondern manchmal auch etwas mit Sturheit, seine Meinung bzw. seine Haltung durchzusetzen. Aber genau dieser Umstand macht dieses Buch so wertvoll und so gut, es ist dadurch authentisch, wie man es kaum in anderer Literatur wiederfindet. Er möchte respektiert werden, für das was er tut, meint und denkt und er schlägt vor, nach Gemeinsamkeiten zu suchen, die einander verbinden, um so zu einem besseren Zusammenleben zu finden. Er reflektiert sich und sein öffentlich Gesagtes immer wieder, stellt dar, wie er sich in manchen Interviews vielleicht besser artikuliert hätte oder was er besser gar nicht erst gesagt hätte. In der Schlussfolgerung will er zukünftig mehr nachdenken, bevor er den Mund aufmacht. Und das macht ihn beim Lesen unheimlich sympathisch. Er entschuldigt sich bei denjenigen, die er womöglich beleidigt oder verletzt hat; dafür zollt man ihm als Leser gern selbst Respekt. Später im Buch beschreibt er Erlebnisse, die den Leser in eine bemerkenswerte Anerkennung versetzen werden. Sebastian Krumbiegel beschreibt Situationen, in den er dunkelhäutigen oder arabisch aussehenden Menschen begegnet und aus seinem Kopfkino heraus ungute Gefühle und Gedanken treten. Wie ihm klar wird, dass auch er manchmal an der Grenze zum Rassismus denkt und selbst er mit seiner sehr klaren Haltung sich aufgrund von aktuellen Terroranschlägen in der Welt nicht davon frei sein lässt, ist so ehrlich geschrieben und mutig verfasst. Es erfreut einen fast beim Lesen, dass er sich nicht mit seiner Haltung über alle Andersdenken hinwegstellt, sondern dass auch er immer wieder ins Wanken gerät. Dadurch strahlt das Buch eine wahre Menschlichkeit aus. Udo Lindenberg darf nicht fehlen, wenn es um die Prinzen, um Sebastian und seine Haltung geht. Der Leser kommt auch hierzu auf seine Kosten. Aus der Sicht des Freundes eröffnen sich dem Leser tatsächlich nochmal neue Aspekte und Blickwinkel zum Leben Lindenbergs, die man bisher nicht kannte, obwohl schon etliche Dokumentationen über sein Leben veröffentlicht worden. Mein Fazit: Authentisch verfasst, sympathisch rübergekommen, sehr gut zu lesen. Das Buch wird allen gefallen, die selbst über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn verfügen und es werden diejenigen als eine Art Lehrbuch nutzen können, die eher schüchtern sind oder sich nicht immer im Leben trauen, etwas öffentlich zu sagen, wenn es darum geht, die eigene Meinung zu vertreten. Ich spreche hiermit eine absolute Kaufempfehlung aus. Ela Kranz, Lehrercafe