Leserstimme zu
Steve McCurry Lesen

Lesen ohne Worte

Von: SeilerSeite
02.06.2017

Das Besondere ist die Art und Weise, wie und wo der Fotograf seine Protagonisten porträtiert. Er findet alte und junge, reiche und arme, gesunde und kranke Leser und Leserinnen nicht nur in Bibliotheken, sondern entdeckt sie in Klöstern, in Parks, auf der Straße, am Wasser und in der Luft. Lesestoff sind neben Büchern auch Zeitungen, Gebetbücher und heilige Texte. Manchmal reicht sogar schon ein Papierfetzen, um die stille Begeisterung und Konzentration in den Augen des Betrachters hervorzurufen. Steve McCurry gelingt es, nicht nur lesende Menschen in Bildern festzuhalten, sondern gleichzeitig die eigenartige Stimmung und Atmosphäre der Versunkenheit, Abgeschiedenheit und Selbstvergessenheit beim Lesen einzufangen. Das Buch wird eingeleitet mit Zeilen des Autors Paul Theroux, in denen er seine eigene Geschichte des Lesens erzählt. Damit endet bereits der Großteil des Textes im Buch. Im Folgenden liegt der Fokus klar auf den Fotografien, die jeweils eine Seite in Anspruch nehmen. Auf der gegenüberliegenden Hälfte der Doppelseite findet sich lediglich eine knappe Ortsangabe. Dadurch haben die Bilder viel Platz zum Atmen und stehlen sich nicht gegenseitig die Schau. Das ungewöhnliche Format des Bandes unterstützt die Wirkung der Aufnahmen. Freude beim Betrachten macht zudem das qualitativ hochwertige Fotopapier, das dem Standard guter Kunstbücher entspricht. Obwohl das Vorwort recht interessant von einer persönlichen Leseleidenschaft erzählt, wäre es noch schöner und passender gewesen, etwas mehr über den Fotografen und die Entstehung der Bilder zu erfahren. Für Fotografen, begeisterte Leser und alle Bücherliebhaber ist der Bildband dennoch eine eindrucksvolle Dokumentation einer der schönsten Tätigkeiten der Welt – des Lesens. Originaltitel: "On Reading" Seitenzahl: 144 Format: 22,1 x 29,7 cm, gebunden Verlag: Prestel