Leserstimme zu
Upcycled Homes

Antonia Edwards serviert in „Upcycled Homes“ Traumhäuser aus alten Stoffen

Von: Fluffy Words
02.06.2017

Im thailändischen Phuket steht ein buntes Holzhaus, das schon auf den ersten Blick Shabby-Chic und Hipness ausstrahlt. Was es nicht verrät: Kein Baum ist extra für das Galeriehäuschen gefällt worden. Stattdessen hat der Künstler Kittipong Ngowsiri drei Jahre lang natürlich verwittertes Treibholz von den umliegenden Stränden gesammelt, um dieses „Kunstwerk für den Alltag“ zu schaffen. Die Londoner Bloggerin Antonia Edwards trägt in "Upcycled Homes" die Geschichten von Häusern zusammen, in deren Konstruktionen und Interieurs alte Materialien neu in Szene gesetzt werden. Der Bildband bietet dabei zweierlei Rezeptionsarten: Wer nur blättert und ein wenig ästhetische Zerstreuung sucht, findet ein Coffeetablebook in einem angenehmen Format und mit ausgezeichnet aufgelösten Aufnahmen vor. Wer hingegen etwas mehr Zeit und Interesse mitbringt, erfährt die Geschichten hinter den schönen Fassaden. Alte Türen und Fenster wurden aus dem Abriss geweihten Häusern geborgen, die riesigen Tragflächen eines Flugzeugs zu einem Hausdach umfunktioniert oder die Statik von fast 400 Jahre alten Mauern überlistet. Die Ergebnisse sind höchst professionell, perfekt möbliert und dekoriert – vielleicht ist genau dies konzeptuell manchmal ein Problem, denn mit wirklich alltäglichen Häusern haben diese Traumbauten nicht viel zu tun. Das Upcycling dieses Bandes verläuft dementsprechend auf einem kostenintensiven Niveau und wird stets von renommierten Architekten und versierten Künstlern vorgenommen. Anregungen für die eigenen vier Wände finden sich dennoch. Besonders kleine, manchmal nur 50 Quadratmeter große, innovative Häuschen zeigen, dass eine traditionelle Raumaufteilung in Schlaf-, Ess-, Wohn- und Arbeitsraum nicht das Maß aller Dinge ist. Nicht nur Materialien können somit mehrfach oder wiederverwendet werden, auch Räume zeigen sich multifunktional. Mein persönliches Lesevergnügen hätten ein intensiveres theoretisches Fundament zum Upcyclinggedanken und Vorher-Nachher-Bilder, an die das Auge durch Fernsehsendungen wie "Fixer Upper" gewöhnt ist, noch abgerundet. Auf dem heimischen Couchtisch, der mal eine Europalette war, macht sich der Bildband aber so oder so sehr gut.