Leserstimme zu
Basar der bösen Träume

Eine Klasse für sich

Von: G. Walt
17.06.2017

Nicht immer blanker Horror, aber immer psychologisch packend und manchmal schlicht schmerzhaft wie ein Schlag in die Magengrube – Geschichten, die uns einladen, Stephen Kings Meisterschaft im Erzählen aufs Neue beizuwohnen, oder, wie er selbst in seinem Basar der bösen Träume ausruft: »Hereinspaziert, ich habe die Geschichten eigens für Sie geschrieben. Aber seien Sie vorsichtig. Bestenfalls sind sie bissig und schnappen zu.« (1) Stephen King scheint eine A-Version gegen Autos zu haben. Zumindest spielt das Motorisierte, welches in vielen Fällen ein tödliches Eigenleben entwickelt, in seinen Stories nur zu oft eine große Rolle. Ein Vorreiter für diese Art seiner Geschichten oder besser gesagt eine Paradebeispiel ist sicher "Christine". Aber auch "Trucks". In der Kurzgeschichte Raststätte Mile 81 ist es genauso. Obwohl diese Geschichte eigentlich zu lang für eine Kurzgeschichte ist und schon fast Heftromanlänge besitzt. Das schöne bei King. Er schweift zwar gerne in blumigen Erzählungen ab, die zwischen Perversion und Prosalisch schwanken, aber er bleibt bei seiner Geschichte. Während andere Autoren ohne ersichtlichen Grund, scheinbar zahllose Nebenhandlungen erstellen um den Umfang des Werkes künstlich zu strecken, reicht bei ihm eine Idee aus, um die Handlung abendfüllend zu machen. Gleich die erste von mir schon erwähnte Geschichte ist ein solches Beispiel. Geschildert wird zum Teil das Erlebnis eines kleinen Jungen, der in einer alten Raststätte, die außer Betrieb ist das Treiben auf dem Parkplatz beobachtet. Und es ist ein grausames Treiben. Der Mörder ist ein Auto, die Opfer sind arglose Autofahrer. Das Auto ist wie ein Spinnennetz. Es gibt kein Entrinnen, wenn man erstmal mit dem Auto in Berührung kam. King versteht es aber auch in den anderen Geschichten zu fesseln. Teilweise sind einige Sachen dabei, die bisher noch nichts ins Deutsche übersetzt waren. King ist wie immer eine Klasse für sich. Exzentrisch und scheinbar wie ein nüchterner Journalist beschreibt er seine Horrorvisonen. Und er lädt den Leser ein zu seinem Basar der bösen Träume. Basar der bösen Träume