Leserstimme zu
Das geheime Leben des Monsieur Pick

Das geheime Leben des Monsieur Pick von David Foenkinos

Von: Munderoon
01.07.2017

Bevor ich von „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ hörte, kannte ich David Foenkinos nicht, obwohl er ja kein unbekannter Autor ist. „Nathalie küsst“ wurde zum Beispiel sogar schon verfilmt. Da ich aber berühmten und besonders gehypten Büchern immer gleich ein bisschen skeptisch gegenüber stehe und dann eher dazu tendiere, sie nicht zu lesen, war es gar nicht schlecht, dass ich ohne Vorwissen an das Buch heran gegangen bin. Denn „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ hat mich wirklich positiv überrascht und ist schon jetzt ein heißer Anwärter auf mein Highlight des Jahres! Was mich als allererstes an Foenkinos Buch faszinierte war sein Schreibstil – der ist leicht, irgendwie schnörkellos und doch gar nicht mal so unpoetisch. Er macht sich die Banalität des Alltags wunderbar zu eigen und stellt viele Ereignisse, die in anderen Büchern viel gedehnter und dramatischer dargestellt werden würden, einfach so dar wie sind: Dinge, die im Leben eben einfach passieren. Das nimmt dem Buch keineswegs die Emotionalität, denn die schaffen die Charaktere trotzdem. Für mich hauptsächlich dadurch, dass man in jedem von ihnen etwas von sich selbst wiederfinden kann. So zum Beispiel der Autor Frederice, der manchmal in den einfachsten praktischen Aufgaben im Haushalt ein kleines Glück findet, weil sein Job sonst eher einen nebligen, diffusen Aufgabenkorpus beinhaltet. Damit konnte ich mich wahnsinnig gut identifizieren, denn auch in meinem Studentenleben hat man manchmal so viel Theorie um die Ohren, dass man zur Abwechslung einfach ein bisschen Praktisches tun muss – und sei es auch nur der Haushalt. Das Buch beginnt mit einem recht kleinen Set an Charakteren, welches parallel zur Story immer weiter anwächst. Denn das Buch, was die Pariser Lektorin Delphine da in der Bretagne findet, berührt mehr und mehr Menschen – und wir erfahren von vielen von ihnen. Das schöne daran ist: es zeigt nicht nur, wie schnell und unbemerkt ein Buch einen ganz bestimmten Einfluss auf das Leben eines Menschen haben kann, sondern auch wie weitreichend dieser Einfluss sein kann. Am Ende des Buches kennen wir eine ganze Menge Charaktere und nicht jeder von ihnen muss unbedingt etwas mit Büchern zu tun haben. Und doch gehören sie alle in dieses Netz, was sich um das Buch von Monsieur Pick herum entwickelt. Die Charaktere sind es auch, die uns neben dem Plot hinter die Kulissen der Buchbranche mitnehmen. Mit Delphine, der Lektorin, sehen wir ein bisschen was vom Verlagsalltag. Mit Frederice, dem Autor, ein bisschen Schreiballtag. Es gibt Bibliothekare, so wie Gourvec, der Mann, der die Bibliothek für abgelehnte Manuskripte in der Bretagne ins Leben gerufen hat. Aber auch Journalisten, die mehr oder minder stark mit der Branche verzweigt sind. Das Buch handelt also nicht nur von dem Einfluss, den Bücher haben können, sondern auch vom technischen Aspekt unserer liebsten Gegenstände: wie sie gefunden, vermarktet und bewertet werden. „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ ist also auf jeden Fall ein Buch für jeden, der Bücher mag. Oder für die Menschen in eurer Umgebung, die Büchern eigentlich nichts abgewinnen können. Denn Foenkinos hat nicht nur eine interessante Geschichte geschrieben, sondern sorgt mit kurzen Abschnitten und Kapiteln auch noch für einen schnellen Sommerlesespaß! Bleibt nur noch die Frage: gibt’s denn auch Kritik? Ein bisschen, cuz nobody’s perfect: manchmal waren mir die Abschnitte ein bisschen zu abrupt fertig und ich habe den Gedankengang des Autors nicht zu 100% nachvollziehen können. Deshalb blieben ein oder zwei Charaktere für mich ein bisschen im Dunkeln, was aber nicht unbedingt schlecht ist. Weniger gut hat mir auch das Ende des Buches gefallen. Der finale Twist war mir einfach ein bisschen sehr schnell abgehandelt, wie es bei Büchern leider öfter der Fall zu sein scheint. Auch war ich ein bisschen skeptisch gegenüber den letzten paar Seiten gegenüber. Ob das wirklich alles so stimmte? Aber vielleicht war es auch genau diese Skepsis, die Foenkinos streuen wollte. Es ist schließlich eine verrückte Geschichte, der man gern glauben schenken möchte. Last but not least bleibt zu sagen, dass dieses Buch auf jeden Fall eine Lesung wert ist! Denn auch wenn ihr lieber Bücher lest, in denen es spannend ist und es nicht unbedingt immer um die Entwicklung im menschlichen Alltag und Leben geht, dann ist da auch jeden Fall noch das Mysterium um den Pizzabäcker aus der Bretagne: hat Henri Pick, der Mann, der zu seinen Lebzeiten niemals ein Buch angerührt oder etwas anderes als Einkaufslisten geschrieben hat, wirklich einen Bestseller verfasst? Und wenn ja, warum hat er ihn in der Bibliothek der abgelehnten Manuskripte versteckt? Die Antwort auf diese Fragen liegt in „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ verborgen! 😉