Leserstimme zu
Wie ein Fisch im Baum

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

eine wunderbar tiefgründige & wichtige Geschichte

Von: Favola
15.07.2017

"Wie ein Fisch im Baum" ist mir zuerst einmal wegen dem Cover ins Auge gestochen. Danach kam mir das Bilderbuch "Wenn die Ziege schwimmen lernt" in den Sinn, ein wichtiges Bilderbuch, das wohl in jedem Pädagogikstudium thematisiert wird. Es handelt davon, wie schwierig es ist, wenn die unterschiedlichsten Spezies die gleichen Ziele erreichen müssen. So muss die Ziege schwimmen üben und der Elefant versucht, einen Baum hochzuklettern. Vor lauter üben, um ihre Schwächen auszumerzen, vergessen die Tiere ihre eigentlichen Stärken. Ally ist elf Jahre alt und kann weder lesen noch schreiben. Doch das darf niemand merken und so überspielt sie ihre Schwächen mit negativem Benehmen. In der Klasse wird sie ein Freak geschimpft und gemobbt, so dass sie mit ihren Problemen ganz alleine da steht. Doch dann bekommt ihre Klasse einen neuen Lehrer und Mr Daniels schickt Ally nicht zur Direktorin. Im Gegenteil: Er merkt, dass sie an Legasthenie leidet, aber auch hochintelligent ist. Die Geschichte ist aus der ich-Perspektive der elfjährigen Protagonisting geschildert, so dass man sich sehr gut in ihre Situation hineinversetzen kann. Es hilft, Legasthenie besser zu verstehen, denn ehrlich gesagt, kann ich mir nicht vorstellen, wie es ist, nicht lesen und schreiben zu können. Das ist für mich so etwas Alltägliches, das zu meinem Leben dazugehört, über das ich gar nicht nachdenken muss. Umso wichtiger ist es, dass sich Lynda Mullaly Hunt der Thematik der Lese-Rechtschreibeschwäche annimmt. Ally ist eine wunderbare Protagonistin, die trotz dem Mobbing gegen sie ein grosses Herz hat. Sie versucht immer, die anderen zu verstehen, nur sich selber traut sie leider viel zu wenig zu. Doch Mr Daniels macht ihr Mut und zeigt ihr, dass er sie mit ihren Problemen nicht alleine lässt. So einen Lehrer müsste jeder haben. Einer, der die Schwächen (an-)erkennt und einen nicht abstempelt. Einer, der jeden Schüler so nimmt, wie er ist und das Beste aus ihm herausholen will. "Wie ein Fisch im Baum" wird ab 12 Jahren empfohlen, so dass der Schreibstil sehr einfach gehalten ist und die Kapitel angenehm kurz ausfallen. Lyna Mullaly Hunt vermag mit wenigen Worten sehr viel auszudrücken, und schenkt uns eine tiefgründige, wichtige Geschichte. Fazit: "Wie ein Fisch im Baum" ist ein wunderbar tiefgründiges und wichtiges Buch. Lynda Mullaly Hunt bietet nicht nur eine Geschichte über Freundschaft und (Selbst-)Vertrauen, sondern bringt uns auch noch die Thematik Legasthenie näher. Sie überzeugt mit einem schlichten aber eindrücklichen Schreibstil, bietet eine gute Portion Humor und bringt den Leser zum Nachdenken. 300 Seiten, die sich definitiv lohnen!