Leserstimme zu
Don't worry, be Mami

Ideales Geschenk für werdende Mütter

Von: Leesenland
30.07.2017

Seit ein paar Tagen ist es klar: Ich werde nach dem Mutterschutz direkt wieder anfangen zu arbeiten, Teilzeit in der Elternzeit. Der ursprüngliche Plan war das zwar nicht, aber unter veränderten Umständen - insbesondere bei meinem Arbeitgeber - ist eine hoffentlich gute Entscheidung. Die viel zitierte Vereinbarkeit von Familie und Beruf bringt allerdings auch gleich einen Haufen neue Fragen mit sich: Welche Auswirkungen hat das auf mein Elterngeld bzw. was steckt hinter dem "Elterngeld plus", das ich nun beantragen werde? Welche Folgen hat es für meinen Arbeitsvertrag oder auch für unseren Anspruch auf eine Kinderbetreuung? Wie gehe ich mit Stillzeiten während der Arbeitszeit um? Praktisch, wenn da gerade zeitgleich das passende Rezensionsexemplar für diese Lebenslage ins Haus geflattert kommt. "Don't worry, be Mami" von Sandra Runge ist laut Verlagsangabe "das juristische Standardwerk zu Schwangerschaft, Geburt und Elternsein". Doch wer meint, hier sei ein eher trockenes Nachschlagewerk zu wesentlichen Rechtsfragen entstanden, der irrt. Die bunten Buchstaben auf dem Cover, die an Kinderzeichnungen erinnern, geben einen entscheidenden Hinweis: Hier hat es jemand geschafft, juristisches Wissen leicht lesenswert in eine flotte, mitunter recht lustige Geschichte zu verpacken. Die Protagonistin dieser Geschichte erlebt direkt zu Beginn den Super-GAU: Am ersten Tag ihrer Elternzeit erscheint sie im Büro, um sich dort ganz überraschend nur noch ihre Kündigung abzuholen. Nach einem entsprechenden Rechtsstreit und dem Neubeginn bei einem anderen Arbeitgeber wird sie erneut schwanger. Und wieder tauchen rechtliche Fragen auf: Wann sage ich es meiner Chefin? Welche Auswirkungen hat es für die Gestaltung meines Arbeitsplatzes? Im geburtsvorbereitenden Yoga-Kurs trifft sie dann auf einen wahren Fundus an menschlichen wie rechtlichen Herausforderungen. Zugegebenermaßen wirkt die Geschichte hier manchmal wirklich etwas konstruiert. Als Leserin habe ich das aber gerne in Kauf genommen, weil zugleich anhand der Schicksale der verschiedenen Frauen immer neue, rechtliche Fragen aufgeworfen werden: Welchen Nachnamen bekommt das Kind, wenn die Eltern nicht verheiratet sind? Wer bekommt das Sorgerecht nach einer Trennung? Die Antworten auf diese und andere Probleme sind immer wieder direkt mit der Geschichte verwoben, teils auch unter Nennung der entsprechenden Paragraphen oder Gesetzestexte. Die rechtlichen Hinweise sind graphisch abgesetzt, aber auch über das Stichwortverzeichnis im Anhang leicht gezielt zu finden. Dort finden sich zudem noch hilfreiche Mustertexte und Checklisten. Die Autorin Sandra Runge ist Rechtsanwältin und selbst Mutter von zwei Kindern. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin. Als "smart Mama" bloggt sie seit einiger Zeit zum Thema Elternrechte. Ihr Ratgeber ist quasi als "Buch zum Blog" entstanden und bei blanvalet erschienen. In Berlin hat sie zudem Deutschlands erste Kita mit Coworking-Space gegründet - eine fantastische Idee für Selbständige und Freiberufler, wie ich finde! Ich habe jedenfalls definitiv eine neue Geschenkidee für die nächste werdende Mutter in meinem Freundeskreis bekommen. Man liest eine kurzweilige Geschichte und macht sich zugleich fit in allen rechtlichen Fragen rund ums Kinderkriegen - eine gute Kombination!