Leserstimme zu
Portugiesisches Erbe

Turbulente Bücher- und Verbrecherjagd in Lissabon

Von: Ankas Geblubber
14.08.2017

Stellt euch vor, ihr erbt, unter etwas mysteriösen Umständen, ein Antiquariat, in dem Hinweise auf ungelöste Kriminalfälle versteckt sind. Überwiegt eure Neugierde oder eure Skepsis? Henrik ist Mitte 30, als ihm genau dies widerfährt. Nachdem seine Frau bei einem tragischen Verkehrsunfall tödlich verunglückt ist, hat es den jungen Polizisten ganz schön aus der Bahn geworfen. Kaum etwas hält ihn noch in Deutschland, weshalb er sein geheimnisvolles Erbe in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon genauer unter die Lupe nimmt. Warum gerade er von seinem ihm bis dato unbekannten Onkel mit diesem Erbe bedacht wurde, was es mit dem alten Antiquariat auf sich hat und welchen Personen er in der Stadt am Tejo begegnet, habe ich bereits letztes Jahr im ersten Band der Lissabon-Krimireihe „Portugiesisches Erbe“ erfahren. In „Portugiesische Rache“ gibt es nun ein Wiedersehen mit Henrik, der, gleich zu Beginn des Buches, in den nächsten Kriminalfall hineingezogen wird. Vor seinen Augen wird ein Mann niedergestochen, der vor wenigen Augenblicken noch ein Buch in seinem Antiquariat gekauft hat. Merkwürdigerweise fehlt von dem Buch jedoch jede Spur. Was hat es mit dem Mann und dem verschwundenen Buch auf sich? War es doch wertvoller als Henrik ursprünglich vermutet hat? Und wer steckt hinter der hinterhältigen Attacke? Denn nicht nur vom Buch ist nichts mehr zu sehen – auch der Mörder scheint sich in Luft aufgelöst zu haben. Schneller als es Henrik lieb ist, steckt er selbst mitten drin und wird sogar zum Verdächtigen. Gern habe ich mich ein zweites Mal von Luis Sellano ins schöne Lissabon entführen lassen. Obwohl ich selbst noch nie in Portugal war, fühlte es sich ein Stück weit so an, als kehrte ich an meinen letztjährigen Urlaubsort zurück. Dank der ausführlichen und sehr bildhaften Beschreibungen im ersten Band, sah ich die malerische Stadt direkt wieder vor mir, erinnerte mich an die kleinen Gässchen, den ungewohnten Geruch von Stockfisch und den melancholischen Klang des Fados. Auch Henrik war mir sofort wieder vertraut, sodass ich mühelos in die neue Geschichte eintauchen konnte. Oft ist es so, dass die anfängliche Euphorie aus dem ersten Band einer Reihe mit dem zweiten ein bisschen abebbt. Ich kann sagen, dass mir diese Fortsetzung sogar besser gefallen hat, als der Auftakt. Es fühlte sich so an, als wäre der Autor „sesshaft“ geworden, und sowohl seinen Protagonisten als auch seinem Setting näher gekommen. Eine gewisse Leichtigkeit und Vertrautheit schwangen mit jedem neuen Schritt an Henriks Seite mit. Besonders begeistern konnten mich die vereinzelt aufploppenden witzigen Spitzen, die den leicht sarkastischen Humor des Autors durchblitzen ließen, ebenso wie die neuen Charaktere, die die Geschichte auflockerten und mich Henrik noch näher brachten. So schnell wie Henrik durch Lissabons Gassen eilt, so schnell huschte ich durch die Seiten. Im Vergleich zu Band 1 hat Luis Sellano noch mal einen Gang nach oben geschaltet. Auch wenn er ab und an innehält, um seinen Lesern einen Blick auf Lissabon zu gewähren, geriet mein Lesefluss nicht ins Stocken. Mit Spannung verfolgte ich Henriks Ermittlungen und hatte schließlich ziemlich Mitleid, denn der arme Kerl muss in diesem Band ganz schön was einstecken. Irgendwann habe ich es aufgegeben, mitzuzählen, wie häufig sein Kopf in Mitleidenschaft gezogen wird. Trotz schmerzhafter Blessuren kämpft er sich wie ein Stehaufmännchen immer weiter voran – hier hätte ich ihm lieber ein bisschen weniger Unsterblichkeit zugemutet. Am Ende kann Henrik zwar einige seiner Fragen beantworten, doch sein Abenteuer in Lissabon scheint noch lang nicht beendet. Ich muss mich nun ein Jahr gedulden, bevor ich erfahre, wie es mit ihm und seinen Weggefährten weitergeht. Gemein – denn um eine liebgewonnene Person lässt uns Luis Sellano ganz schön bangen. Mir hat „Portugiesische Rache“ eine wirklich tolle Lesezeit beschert. Ich habe gerätselt, mitgefiebert, immer häufiger geschmunzelt und mich in der schönen Stadt Lissabon sehr wohlgefühlt. Henrik ist mir noch mehr ans Herz gewachsen und ich freue mich schon jetzt sehr auf meinen nächsten Besuch in seinem geheimnisvollen Antiquariat in der Rua do Almada. Auch wenn man den ersten Band nicht unbedingt gelesen haben muss, um in die Geschichte von Band 2 einzutauchen, empfehle ich euch trotzdem, mit „Portugiesisches Erbe“ zu beginnen. Eine schöne Reihe, die sich ganz wunderbar als Reisebegleiter für euren Sommerurlaub eignet und auch die Gelegenheitsleser schnell mitreißen und unterhalten wird.