Leserstimme zu
Lieber Mr. Salinger

Eine Liebeserklärung an die Literatur

Von: Buchberuehrung
16.08.2017

Bücher über Literatur sind großartig! Immer! Vor allem für Literaturliebhaber, die – genau wie die Figuren eines solchen Romans – für das Literarische im wahrsten Sinne des Wortes leben. Joanna Rakoff hat in diesem autobiografischen Roman eine solche hinreißende Geschichte geschrieben. Eine Geschichte, die mit ihrem Studienabschluss beginnt und schließlich erst in New York einsetzt: Joanna liebt Bücher und das Lesen, sie liebt das Schreiben und große Autoren. Sie liebt den literarischen Flair und seinen intellektuellen Esprit. Kurzum: Joanna will in die Welt der Bücher! Eine Welt, die sie bezaubert. Wie so viele andere auch! Und genau hier nimmt die allzu komische Tragödie ihren Lauf: Joanna Rakoff erzählt eine wunderbar leichte und irrwitzige Geschichte über ihr besonderes Jahr mit J. D. Salinger! Klingt verrückt, ist es auch! Denn als Joanna auf dem Arbeitsmarkt kein Glück hat – denn die Welt der Bücher ist äußerst begehrt – landet sie zufällig und urplötzlich als Assistentin in einer außergewöhnlichen Agentur für Literatur. Es könnte ein Traumberuf sein, doch die Chefin ist grausam, das Büro trist, alles ist eingestaubt, die Arbeit ist schlecht bezahlt und dazu noch stupide! Joanna muss nicht nur den ganzen Tag Briefe tippen, sie tippt sie auf einer Schreibmaschine! Mit anderen Worten: Hier, mitten im modernen und schillernden New York scheint die Zeit still geblieben zu sein. Statt E-Mails, trudeln unzählige Leserbriefe ein. So etwas wie Digitalisierung existiert nicht. Unvorstellbar! Unvorstellbar lustig! Es herrschen Langeweile und Monotonie, nicht einmal der nette Arbeitskollege kann Joanna von ihrer Tristesse ablenken, als sie erfährt, wen ihre Chefin, ihre Agentur, vertritt: den großen Salinger! Wie ist er, dieser Salinger in Wirklichkeit? Ist er tatsächlich so eitel oder nur scheu und eigen wie alle großen Künstler es eben sind? Wird es je die Möglichkeit für eine anregende Unterhaltung geben? Und wird sie ihn jemals sehen? Ihre Chefin hat es ihr zumindest strengstens untersagt. Doch, wer weiß schon genau, wie das Schicksal spielt. Während Joanna davon träumt, auf den berühmten Autor zu treffen, sind es am Ende seine, Salingers Bücher, die Joanna ihre Liebe zur Literatur zurückbringen. Joanna liest sich buchstäblich zurück ins Leben. Klingt kitschig? Ein wenig! Aber so schön! Rakoff erzählt hier nicht nur eine zauberhafte und unterhaltsame Geschichte einer jungen, klugen Frau, die sich in die Literatur rettet. Sie webt hier zugleich ein amüsantes Porträt eines wichtigen Schriftstellers der amerikanischen Literaturgeschichte. Vergnüglich! Fröhlich! Und erheiternd! Ein Stück Prosa voller Charme!