Leserstimme zu
Das zweite Gesicht

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Fesselnd und bedrückend

Von: Die wirklich wichtigen Dinge Blog
21.08.2017

Das war ein Buch, das mich aufgrund des Covers angesprochen hat. Ich mag die Farben und die Atmosphäre. Die Geschichte: Im Jahr 1842 zündet die 15-jährige Polly Kimball versehenlich die Farm ihrer Eltern an und ihr Vater verbrennt. Sie schafft es zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder den Flammen zu entgehen. Pollys Vater war ein Tyrann, der sich an ihr vergangen hat, ihren Bruder fast getötet hätte und ihre Mutter schlug. Es ist für die drei daher eine Erlösung von der Farm und der Vergangenheit fliehen zu können. Pollys Mutter bringt ihre Kinder zur benachbarten Shaker-Gemeinde, einer Glaubensgemeinschaft, in der Arbeit und ein klösterliches, zölibatäres Gemeindeleben den Alltag prägen. Die Kinder werden dort aufgenommen und werden ein Teil der Gemeinde. Über Polly schwebt jedoch die ganze Zeit die Angst, dass ihre Tat entdeckt werden oder womöglich ihr Vater zurück kommen könnte. Die fühlt sich schuldig und für sie verschwimmen die Begebenheiten der Brandnacht. Sie ist sich nicht mehr sicher, ob sie das Feuer absichtlich gelegt hat, oder ob es ein Versehen war. Bei den Shakern wird jedes neue Mitglied früher oder später zu einer Lebensbeichte gezwungen. Vor dieser Beichte graut es Polly weil sie Angst hat, verstoßen zu werden, wenn die vermeintliche Wahrheit ans Licht kommt. In der Gemeinde findet sie dennoch ihren Platz, als sie bei einer Zusammenkunft plötzlich seherische Fähigkeiten zeigt und eine Vision hat. Ihre liebste Vertraute, Schwester Charity, die selbst in der Stadt der Hoffnung aufgewachsen ist, ist ihr ein Anker und eine große Hilfe. Als ein Brandinspektor den Brand untersucht und Fragen stellt, droht alles aufzufliegen. Die Geschichte wird aus den Blickwinkeln von Polly, Schwester Charity und dem Brandermittler Simon Pryor erzählt. Meine Meinung zum Buch: Kennt ihr diese Bücher, die nachwirken? Dieses ist so eins für mich. Ich habe ein bedrücktes Gefühl von diesem Buch mitgenommen und musste über einige Szenen immer wieder nachdenken. Das ist ein gutes Zeichen. Den wechselnden erzählenden Personen kann man gut folgen. Die Geschichte ist spannend und eingängig erzählt. Eine Weile hatte ich zwar das Gefühl, dass sie mich nirgendwo hin führte und - wenn auch nicht langweilig - vor sich hin lief, aber das ging vorbei. Am Ende gibt es keine Moral von der Geschichte oder eine Lösung. Aber wie sollte die auch aussehen? Es ist ein sehr gelungener Roman und ich kann ihn sehr empfehlen. Trivia (Quelle: wikipedia): Die Shaker sind eine christliche Freikirche in den USA. Sie sind aus dem Quäkertum hervorgegangen. Ihr Name leitet sich von dem rituellen Schütteltanz her, der auch im Buch beschrieben wird.  Für die Shaker war Fleiß, Kreativität und handwerkliches Arbeiten wichtig und sie haben ehelos zusammengelebt. Neue Mitglieder kamen von außen dazu, es wurden z.B. Waisen aufgenommen. Auch heute gibt es in den USA noch Shaker, aber nur einige wenige.