Leserstimme zu
Das Hexenmädchen

Große Leseempfehlung!

Von: Literaturchaos
07.09.2017

Da musste der Herr Bentow also tatsächlich den bereits vierten Thriller um den Ermittler Nils Trojan schreiben, bevor ich darauf aufmerksam wurde. Normalerweise stehe ich nämlich nicht so lange auf der Leitung, was gute Thriller angeht. Und dieser hier ist nicht nur gut sondern einfach großartig! Die Spannung in dieser Geschichte schießt gleich zu Anfang steil nach oben und bleibt auch bis zum Ende genau dort. Der Autor hat es zudem noch geschafft, fast jeden Absatz mit einem Cliffhanger enden zu lassen, was besonders gemein ist. Ihr kennt das berühmte "Ein Kapitel noch, dann mache ich das Licht aus."? Tja, hier will man "nur eben" noch den nächsten Absatz lesen. Und vielleicht noch den danach. Okay, einen noch.......und plötzlich merkt man, dass man gar nicht mehr soviel Zeit hat, bevor der Wecker klingelt. Ungelogen! Dieser Roman reißt einen einfach mit. Man wird quasi zu Nils rechter Hand, ermittelt und grübelt mit ihm und leidet auch genauso mit ihm. Denn Ihr kennt das altbekannte Thema "Ermittler's Privatleben"? Von manchen geliebt, von manchen gehasst, werden die Protagonisten doch zu häufig in die Rolle des Säufers/Kettenrauchers/Beziehungsunfähigen gedrängt, dass man tatsächlich manchmal denkt "Och nö, nicht schon wieder!". Nils ist anders. Er hat Herz, ein sehr großes sogar. Er leidet unter der Trennung von seiner Tochter, die nur zeitweise bei ihm lebt und für die er einfach nicht genug Zeit hat, er klammert sich geradezu an die Beziehung zu seiner ehemaligen Therapeutin und er hat Angstzustände, die ihm den Atem rauben, ihn völlig handlungsunfähig machen. Regelrechte Panikattacken, die von früheren Fällen herrühren. An dieser Stelle möchte ich auch noch mal betonen, dass dieses Buch schon das vierte in der Nils Trojan-Reihe ist, man aber die Vorgänger nicht gelesen haben muss, um dieses zu verstehen. Es wird zwar hier und da was angedeutet, hat dann aber ausschließlich mit Nils' psychischem Zustand zu tun und nimmt keinen Bezug zum aktuellen Fall. Panikattacken also. Genau solch eine bringt Nils zu Anfang der Geschichte ins Krankenhaus, konnte er doch einen Herzinfarkt nicht völlig ausschließlich. Kaum ist Entwarnung gegeben und Nils ein wenig beruhigt, wird er vom Krankenhausflur weg zu einem Mordfall beordert. Und welches Szenario der Autor hier beschreibt. .... Ich muss dazu sagen, ich habe schon viele Thriller gelesen, je mehr Blut, je besser. Vermutlich stumpft man mit der Zeit auch ein wenig ab. Aber was ich hier präsentiert bekam.....! Unglaublich! Ich will Euch nichts vorweg nehmen, lest es einfach selber. Wenn Ihr fiese Psychothriller liebt, werdet Ihr diesen hier vergöttern! Wenn Ihr zartbesaitet seid, lasst es besser sein. Bei diesem einen Mord bleibt es natürlich nicht. Zwei weitere Personen werden auf ebenso unvorstellbare Art und Weise zu Tode gefoltert, ohne dass Nils Zusammenhänge zwischen diesen Personen ausmachen kann. Dann verschwinden zwei kleine Mädchen spurlos. Vor ihrem Verschwinden erzählten sie immer wieder von der "bösen Hexe", vor der sie große Angst hatten, wurden aber von keinem Erwachsenen so richtig ernst genommen. Kindliche Alpträume. Kann schon mal vorkommen. Als sich jedoch herausstellt, dass die Morde und das Verschwinden der Mädchen zusammenhängen müssen, überschlagen sich die Ereignisse. Es geht um Leben und Tod, zudem sitzt den Ermittlern die Zeit im Nacken. Und obwohl man als Leser mehr weiß, liegt man immer noch falsch, bis zum großen Aha-Erlebnis am Ende. Sympathische und/oder glaubwürdige Protagonisten, rasante Geschichte, Spannung pur! Unbedingt lesen!!!