Leserstimme zu
Als die Liebe endlich war

Große Gefühle!

Von: gedankenbuecherei
11.09.2017

Zuerst muss ich wohl noch etwas mehr über den Inhalt des Buches preisgeben, denn in diesem Fall finde ich den Klappentext nicht wirklich passend. Zumindest habe ich nur durch das Lesen des Textes auf dem Buchrücken, eine ganz andere Geschichte erwartet. Das Buch verbindet drei verschiedene Handlungsstränge, zum einen, die Flucht Carls zusammen mit seiner Familie, als er noch ein Kind war. Die jüdische Familie hat das Glück flüchten zu können und erzählt wird von der Zeit auf dem Schiff, das sie in ihre neue Heimat bringen wird und über das darauffolgende Leben in Shanghai. Dieser Teil nimmt sehr viel Raum im Buch ein. Zum anderen wäre da noch die Geschichte um Erna, eine junge Frau, die während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland lebt. Ein dritter Strang spielt 2010, Carl ist nun über 80 Jahre alt und lebt mit seiner Frau Emmi in New York, ebenfalls deutsch, die er allerdings in Amerika kennen gelernt hat. Nach dem Klappentext hatte ich einen sehr viel größeren Anteil der Gegenwartsgeschichte des Paars erwartet, der Gegenwartsstrang wirkte für mich allerdings sehr beiläufig. Die Vergangenheit nimmt meiner Meinung nach einen sehr viel größeren Teil ein, was mich teilweise ein wenig enttäuscht hat, da ich nun mal mit etwas anderem gerechnet habe. Trotzdem hatte das Buch einiges zu bieten und konnte mich mitreißen. Es handelt sich hierbei um eine sehr bewegende Geschichte über eine Flüchtlingsfamilie aus Deutschland, die gezwungenermaßen ein neues Leben in Shanghai beginnen muss. Die Autorin schreibt schlichtweg sehr schön und hat mir einige Gänsehaut-Momente beschert. Das Zeitgeschehen war sehr greifbar dargestellt, vor allem die Hoffnung der kleinen Familie war deutlich spürbar. Durch den Realitätsbezug war die Geschichte natürlich umso mitreißender. Das Buch ist voller historischem Wissen und daher auch sehr informativ, sehr interessant war besonders das Leben der deutschen Flüchtlingsfamilie in Shanghai, in welches man einen sehr guten Einblick bekommt. Auch die Geschichte um Erna war interessant und zugleich rätselhaft, den Zusammenhang zwischen den beiden Handlungssträngen erkennt man nicht sofort. Der besondere Reiz der Geschichte lag daher auch am Wechsel der Schauplätze und auch am Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Hauptperson Carl erschien als sehr stiller und zurückgezogener Charakter, sehr passend wenn man die schwere Vergangenheit bedenkt. Er wirkt sehr ernst und eher zurückhaltend, so richtig konnte ich nicht mit ihm mitfühlen. Allerdings haben mir die anderen Charaktere umso besser gefallen, beispielsweise seine Mutter Grete oder die beiden Passagiere ebenfalls an Bord des Schiffs, Eleonore und Otto, die die Familie begleiten. Eleonore und Otto konnten mich mit ihrer warmherzigen und liebevollen Art sehr überzeugen. Die beiden haben trotz der harten Zeiten nie den Mut verloren und haben in allem das beste gesehen, diese Stärke hat mich sehr beeindruckt. FAZIT: Eine wunderschöne Geschichte die ans Herz geht, mit tollen Charakteren und einem schönen Schreibstil. Andrea Maria Schenkel weiß wie sie große Gefühle vermitteln kann, das Gefühl der Heimatlosigkeit und die damit verbundene innere Zerrissenheit waren deutlich spürbar. Einziger Kritikpunkt ist die Enttäuschung um die kaum vorhandene Handlung in der Gegenwart, das ging mir ein bisschen zu sehr unter. Hier hätte ich mir mehr gewünscht. Ein sehr ernstes Buch, mit einem Realitätsbezug und großen Gefühlen, von mir eine klare Leseempfehlung!