Leserstimme zu
Darien - Die Herrschaft der Zwölf

Viele Schicksale meisterhaft verwoben zu einer Handlung

Von: Tallianna
16.09.2017

Darien ist die Hauptstadt eines mächtigen Königreiches. Seit tausend Jahren regieren von hier aus die zwölf mächtigsten Familien das Land. Doch diese Ära neigt sich dem Ende entgegen, denn König Johannes ist schwach und ängstlich. Als das Militär einen Mordanschlag auf den König plant, um den Thron für einen starken Herrscher frei zu machen, ändert sich das Leben von fünf ungleichen Helden für immer: Ein Jäger, ein Krieger, ein Dieb, eine Magierin und ein Wesen aus einer längst vergangenen Zeit – sie alle führt ihr Weg aus den entferntesten Ecken des Reiches nach Darien, denn nur gemeinsam können sie ihre Welt vor dem Untergang bewahren … (Klappentext) Der nachfolgende Text kann Spoiler enthalten. Diese Geschichte ist für mich eine, in der tatsächlich nicht die handelnden Personen im Vordergrund stehen, sondern die Ereignisse. Als würde man einen Vulkanausbruch in einen Roman verpacken, der natürlich auch über Personen erzählen würde, aber zu denen man keine Beziehung aufbauen muss, um den Ausbruch in all seiner Schrecklichkeit zu betrachten. So ist es auch hier. Auch wenn viel Zeilen über die drei Hauptpersonen geschrieben wurden, bleiben sie jedoch seltsam distanziert – und dieses Mal ist das tatsächlich nicht unbedingt als negative Kritik gemeint. Geradezu kunstvoll überschneiden sich ihre Schritte in der Hauptstadt Darien, während das Unvermeidliche näher rückt. Und ohne es zu ahnen hängen ihre Schicksale voneinander ab. Gerade das macht dieses Buch so genussvoll. Man versucht unwillkürlich die Folgen abzuschätzen, wenn alle drei Personen sich begegnen. Dem Autor gelingt mit dieser Geschichte, was sich bei anderen oft gekünstelt anfühlt: Seine Charaktere sich zufällig begegnen zu lassen, ohne dass es sich anfühlt, als wäre es berechnet oder Mittel zum Zweck. Und gerade das macht für mich den Reiz dieses Buches aus. Die Handlung selbst ist vielschichtig mit verschiedenen Handlungssträngen, denen man jedoch gut folgen kann. Teilweise ergeben sich dadurch aber Längen, die sich aber bei Auftaktromanen wohl nicht vermeiden lassen. Obwohl das Buch relativ viele Seiten besitzt, fühle ich mich doch wie nach einem kleinen Appetitanreger, denn das Potential dieser Geschichte ist noch lange nicht ausgeschöpft – vor allem nicht bei dem etwas befremdlichen Ende. Wirklich fasziniert hat mich die Dynamik der Geschichte. Ein Eroberer, der von sich selbst denkt, er würde es dem Volk leichter machen als die bisherigen Herrscher, und ein Volk, dass sich nicht so einfach einem dahergelaufenen Eroberer beugen will und seinen Stadt bis aufs letzte verteidigt, auch wenn sie dabei sterben. Man darf niemals die Solidarität unterschätzen, die Menschen ausüben können, wenn ihr Zuhause in Gefahr ist und auch ein verängstigter Hund beißt irgendwann. Persönlich denke ich, dass es die Wahl zwischen Pest und Cholera wäre, welche herrschende Gruppe die bessere wäre. Über weitere Bände habe ich noch keine Informationen finden können, vermutlich müssen sie erst noch geschrieben werden. Im Englischen wird es jedoch als „Empire of Salt“ bezeichnet und ich frage mich ja, auf was das zurückzuführen ist. Fest steht, wenn es Folgebände gibt, werde ich sie lesen, denn für mich war diese Geschichte doch sehr angenehmer Zeitvertreib, mit einem eleganten Schreibstil und der mühelosen Verwebung mehrere Schicksale.