Leserstimme zu
Kleine Hände – großer Profit

Ein kurzes Überblickswert, dem ich mehr Aufmerksamkeit wünsche!

Von: The Printrovert
21.09.2017

Jeder von uns hat mehrere Gegenstände in der Wohnung, die von kleinen, jungen Händen hergestellt wurden. Bei manchen Sachen weiß man es eigentlich, bei anderen hat man noch nie etwas davon gehört oder geahnt. Meine Meinung Wieder eines dieser Bücher, die man eigentlich gar nicht lesen will. Denn es ist viel einfacher, den Versprechungen zu glauben, dass Kinderarbeit heutzutage kein Problem mehr wäre (schließlich ist es international verboten!) oder sich sogar einzureden, dass es den Kindern und Familien ohne diese Arbeit noch viel schlechter ergehen würde. Ein Punkt, der erst spät im Buch angesprochen wird, meiner Meinung nach aber wichtig ist, ist die Definition von Kinderarbeit. Darüber wird oft gestritten und gerade von älteren Menschen kommen auch hierzulande Kommentare wie „Ich musste früher auch auf dem Feld mithelfen und mir hat das nicht geschadet“. Es ist einfach unverschämt, sowas mit der Arbeit in Indien, Pakistan und Afghanistan gleichzusetzen! Die Kinder dort werden wie Sklaven behandelt und müssen ihr Recht auf Bildung abtreten, nur um den ganzen Tag arbeiten zu können. Genau hier formuliert Püttner Kinderarbeit aus, die so schnell wie möglich beendet werden muss. Er selbst ist über achtzig Mal nach Indien gereist, um sich beruflich als auch privat gegen Kinderarbeit einzusetzen. In Befreiungsaktionen hat er mehr als einmal sein Leben aufs Spiel gesetzt und doch hält er diesen Schritt als den wichtigsten. Nachdem er viele Kapitel lang Einzelbeispiele, die er selbst vorgefunden und mit Fotos dokumentiert hat, erzählt, kommen weiter hinten im Buch nämlich acht Punkte, die er am wichtigsten im Kampf gegen Kinderarbeit empfindet. Man bekommt ein gutes Bild, wie das theoretisch funktionieren könnte. Selbst Geldbeträge, die pro befreitem Kind anfallen, werden aufgezeigt. Allerdings wird in den Kapiteln vorher deutlich, wieso das alles gar nicht so einfach ist. Die Beispiele von Kindern und einzelnen Befreiungsaktionen zeigen deutlich, dass dieses System so stark in der Gesellschaft integriert ist und das Korruption und Resignation eine zu große Rolle spielen, um schnell große Erfolge zu erzielen. Zumindest solange sich weiterhin so viele Menschen vor dem Thema verschließen. Im letzten Kapitel gibt Püttner nämlich Tipps, was jeder einzelne von uns tun kann. Die Frage hat sich mir beim Lesen mehrfach aufgetan, da selbst die Regierung und andere Kontrollinstitute gnadenlos vor Ort scheitern. Hierzu werden mitunter Siegel konkret benannt, denen man tatsächlich trauen kann. Denn ganz ehrlich, mittlerweile blickt man genau da wirklich nicht mehr durch. Ist das nun wirklich fair produziert? Hier sehe ich im Buch leider einen Minuspunkt, denn meiner Meinung nach ist das zu oberflächlich gehalten. Das Buch legt den Fokus auf die Aufklärung, was Kinderarbeit heute konkret zu bedeuten hat, aber was einzelne Personen dagegen tun können wird nur angeschnitten. Hier ist dann definitiv Eigeninitiative in Richtung Recherche gefordert. Positiv zu benennen ist noch der Schreibstil, denn es lässt sich wirklich schnell und einfach lesen – trotz der schwierigen Thematik! Und genau das ist wichtig. Wenn man ein so unangenehmes Thema hat, will man nicht ewig an ein und derselben Lektüre dazu sitzen. Hier bekommt man einen schnellen Überblick, der definitiv aufrüttelnd ist. Danach ist, wie gesagt, Eigeninitiative gefordert! Fazit Ich betrachte als solides Überblickswerk. Es ist schnell gelesen und gibt in vielen verschiedenen Kategorien gute Denkanstöße, allerdings legt es den Fokus auf die Aufklärung, was derzeit bei Kinderarbeit passiert. Es schockiert! Die abgedruckten Bilder in der Mitte sind teilweise nichts für Zartbesaitete. Es ist ein Buch, dem ich definitiv viel mehr Aufmerksamkeit wünsche, als es bisher bekommt!