Leserstimme zu
The Girl Before - Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot.

Solider Thriller für rundum gute Unterhaltung

Von: FiktiveWelten
10.10.2017

Folgate Street 1 in Hendon, London: Ein Haus, so eigen wie sein Architekt. Außen ein kompakter Würfel mit horizontalen Glasschlitzen, innen beeindruckende Technik, gepaart mit karger Leere und absoluter Stille. Es gibt etwa zweihundert Klauseln im Mietvertrag, allerhand Pflichten und Verbote sowie ein Bewerbungsprozedere mit finalem Vetorecht des Vermieters. Das Objekt hat allerdings eine dramatische Historie. Leichen pflastern seinen Grund und Boden. Nicht zuletzt verlor Edward Monkford Frau und Sohn bei einem tragischen Unfall und ließ sie an Ort und Stelle begraben. Auch Emma Matthews und Jane Cavendish haben einschneidende Erlebnisse hinter sich, als sie das Haus beziehen. Während Emma nach einem bewaffneten Überfall einen Neuanfang wagt, lässt Jane eine Totgeburt zurück. Monkford ist ein Mann, wie kein anderer. Ein Techno-Minimalist, der großen Wert auf Integrität, Ordnung und Disziplin legt. Mit Charme und Selbstbewusstsein fasziniert er die Damenwelt. So erliegen auch zunächst Emma und später Jane seinen Reizen. Beide Beziehungen sind unkonventionell, währen jedoch nur kurz. Trotz frappierender Ähnlichkeit zur verblichenen Elizabeth Monkford, widerstreben beide Frauen seinem zwanghaften Perfektionismus. Emma wird jäh von ihrer Vergangenheit eingeholt, während Jane wiederum der Vergangenheit des Architekten auf den Fersen ist, um ihre gemeinsame Zukunft zu sichern. Mit Widerstand und selbständigem Denken kann Edward nicht umgehen, Kontrolle und Macht sind sein Metier. Seine Obsessionen bergen allerdings nie ein gutes Ende. Und jeder Fertigstellung eines neuen Gebäudes der Monkford Gruppe geht ein Todesfall voraus … THE GIRL BEFORE ist eine Geschichte über ein faszinierendes Hightech-Haus, einen dominanten Architekten und die Frauen, die Teil seines Lebens waren. Es geht um Leidenschaft, Lügen, allerhand Geheimnisse und ungeklärte Todesfälle. Im Fokus stehen zudem zwanghafte Wiederholungen, die umso deutlicher werden, da während der Lektüre Vergangenheit und Gegenwart parallel zum Zuge kommen. J P DELANEY unterteilt das Buch in siebzehn Kapitel, die sich thematisch, den Fragen des Bewerbungsbogens potenzieller Mieter angelehnt, dem Höhepunkt des Geschehens nähern. Die Ereignisse werden abwechselnd jeweils in erster Person Singular aus den Perspektiven „Damals: Emma“ und „Heute: Jane“ geschildert. Jede Frau nimmt den Leser in ihrem Leben gefangen. Was allerdings in ihren Köpfen vorgeht, erfährt er nur in begrenzten Maßen. Handlungen, Andeutungen und seltsame Begebenheiten sorgen für Verwirrung und fachen die Suche nach möglichen Erklärungen an. Das Spannungspotenzial ist dementsprechend hoch angesetzt und erfüllt die Erwartungen. Die Auflösung des Ganzen vermag womöglich auch einige Leser überraschen, der richtige Knalleffekt bleibt für mich allerdings aus. Zu glatt und durchdacht wirken Inhalt und Umsetzung. Eben perfekt auf eine Verfilmung ausgelegt, die nicht auf sich warten lässt. THE GIRL BEFORE erscheint als Paperback im Penguin Verlag. Das Cover ist ein absoluter Eyecatcher! Düstere Farbgebung, scharfe Kanten und der Wechsel zwischen glänzenden und matten Flächen verzaubert hinsichtlich Optik und Haptik gleichermaßen. Der Auszug aus dem Inhalt auf der Buchrückseite sowie ausgewählte Fragen des Bewerbungsbogens auf den Innenklappen machen Lust auf mehr. Ein gelungener Marketing-Effekt! Fazit: J P DELANEY erzählt mit THE GIRL BEFORE einen soliden Thriller, der Interesse weckt, Spannung erzeugt und befriedigend endet. Der regelmäßige Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie allerhand Lügen und Geheimnisse sind gelungen, ebenso die Hintergründe des Geschehens. Trotz rundum guter Unterhaltung fehlt mir allerdings das gewisse Extra, der Wow-Effekt zum Hype bleibt aus.