Leserstimme zu
Portugiesisches Erbe

Unvollendete Geschichte

Von: Krimivertilger aus Düsseldorf
22.10.2017

Das Buch "Portugiesische Rache" von Luis Sellano (Pseudonym für Oliver Kern) schließt an den Start der Reihe "Portugiesisches Erbe" an. Die Geschichte entwickelt sich wieder actionreich, wie aus dem ersten Band gewohnt. Der Protagonist wird zusammengeschlagen, fast von Explosionen zerfetzt, verletzt sich, ist blutüberströmt, es werden mehrere Anschläge auf ihn verübt. Am Ende des Buches ist auch er körperlich fast am Ende. Der Autor hat hier sehr offensichtlich einen zweiten John McClane aus "Stirb langsam" / "Die Hard" auferstehen lassen. Was an dem an sich spannenden Buch leider störend wirkt, ist der Umstand, dass praktisch keine der vielen Fragen, die am Ende des ersten Bandes offen blieben, in "Portugiesische Rache" aufgelöst werden. Stattdessen wird ein ganz neuer Handlungsstrang verfolgt. Dabei tauchen Personen auf, deren Rolle in der Dramaturgie der Handlung sich nicht recht erschließt. So etwa der Vater von Henrik, von dem jedenfalls in diesem Buch nicht klar wird, was er eigentlich in Lissabon will und mit dem Henrik ersichtlich genauso wenig anfangen kann wie der Leser. Am Ende verschwindet er dann auch dementsprechend sang- und klanglos aus der Stadt. Zudem gibt es immer wieder mehr oder weniger punktuelle Kontakte mit den diversen Frauen in Henriks Umfeld, die teilweise ebenfalls keinen rechten Sinn in der dramaturgischen Entwicklung haben. Da hätte das Lektorat öfter mal den Rotstift ansetzen können. Und was ich besonders unbefriedigend finde: Auch der Handlungsstrang dieses Buches wird am Ende unvermittelt abgebrochen, ohne dass der Verbleib vieler beteiligter Personen oder ihre Rolle in der Handlung geklärt sind. Man hat den Eindruck, dass der Autor entweder plötzlich die Lust an der Fortsetzung der Geschichte verlor, vom Verlag eine vorrangige Deadline für ein anderes Projekt bekam oder sich dachte, dass er dem Leser für den Rest der Geschichte gern noch ein weiteres Buch verkaufen möchte. Insofern zahlt man für ein ganzes Buch, bekommt aber nur einen halben Roman. Es wäre fair gewesen, das Buch als Teil einer mehrteiligen Geschichte zu kennzeichnen, wie dies etwa beim "Promise-Falls"-Dreiteiler von Linwood Barclay der Fall ist.