Leserstimme zu
Seelenmesse

Ein gut durchdachter und spannender skandinavischer Krimi

Von: brigitta
04.11.2017

Kurze Zusammenfassung: Viljar Ravn Gudmundsson war einst ein gefeierter Starjournalist. Vor Jahren hat er die tiefsten sexuellen Abgründe bei einem populären Minister aufgedeckt. Gefeiert und berühmt hatte Viljar eigentlich das erreicht, was ein Reporter erreichen möchte, doch leider ließ er durch einen dummen Fehler seinen geheimen Informanten auffliegen. Seitdem hat Viljar keinen großen Coup mehr gelandet und sein Leben wird von Panikattacken und Angstzuständen begleitet. So schreibt er nun langweile Artikel in seiner kleinen Redaktion und spürt, dass er von einer Kündigung nicht mehr weit entfernt ist. Inmitten dieser Trostlosigkeit erhält Viljar Ravn Gudmundsson eine Email von einem Stein Amli, in der Stein sich als Richter und Henker bezeichnet und eine Frau richten will, die Geld unterschlagen hat. Viljar nimmt diese Mail nicht wirklich ernst, aber doch so, dass er sie an die Polizei weiterleitet. Als am nächsten Tag eine Frau tot aufgefunden wird, die dem Bild der Sünderin, das Stein entworfen hat, entspricht und sogar vermeintlich mit Viljar in Kontakt stand, beginnt Viljars persönlicher Albtraum. Der Mörder scheint Viljar gut zu kennen und er legt Fährten, die Viljar in das Zentrum der Ermittlungen schieben. Doch das ist noch nicht genug, denn es gibt weitere Morde und auch Viljars einzige Freundin gerät in Gefahr. Fazit: Ein gutes Debüt. Geir Tangen ist ein norwegischer Buchblogger, der mit " Seelenmesse" vom Blogger zum Autor wurde. In Seelenmesse wird eigentlich jedes Klischee bedient, dass wir mit nordischen Krimis verbinden und genau das macht diesen Krimi so gut. Wir haben alles was skandinavische Krimis so bieten: den total zerstörten Helden, den einsamen Ermittler, mehrere Handlungsstränge und Erzählzeiten, die sich irgendwann treffen, Verwicklungen bis in die Politik .... Die Morde selbst passieren eigentlich recht unspektakulär, das heißt, wir sind nicht dabei. Das Morden passiert ohne uns und wir sind auch nicht in den Köpfen des Opfers beim Sterben. Dafür ist das Auffinden des Opfers umso wichtiger und dabei wird der Faden der Geschichte weiter gesponnen. Das finde ich mal einen angenehmen Perspektivwechsel, denn in vielen Thriller ist das Sterben des Opfers zentral, also unsere Position als Zuschauer ist zentral. Ich musste das Buch doch mit einer gewissen Konzentration lesen um die einzelnen Handlungsstränge gut zusammenführen zu können, trotzdem haben ich, für meine Verhältnisse, recht lange gebraucht um drauf zu kommen, wer denn hinter Stein Amli stecken könnte. Geir Tangen hat geschickt mit falschen und richtigen Fährten gespielt und mich gelegentlich an der Nase herumgeführt. Da ich skandinavische Krimis total gerne lese, bin ich richtig glücklich über diesen neuen norwegischen Autor und ich freue mich, dass es noch weitere Bücher geben soll, die sich um Viljar Ravn Gudmundsson drehen.