Leserstimme zu
Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr

Mehr als nur ein Märchen - so wie das Leben selbst

Von: BuchundBrimborium
05.11.2017

Habt ihr schon einmal einen kleinen zwielichtigen Zwerg gesehen? Habt einen kennengelernt, ihn studiert? Nein? Ich auch nicht…Aber die kleine Prinzessin Dylia, die an einer, die Ärzte und Heiler der zamonischen Welt in Aufruhr versetzende, anscheinend unheilbaren Krankheit leidet. Sie drückt sich darin aus, dass sich die Prinzessin des Nachts nicht einfach zur Ruhe begeben kann und schlaflos durch die Gänge ihres Schlosses wandelt, bis sie eines Nachts auf einen Nachtmahr trifft, der sie in den Wahnsinn treiben soll… Ich bin ehrlich. Vor ein paar Tagen erging es mir noch so: Ich habe in meinem Leben bisher keinen Kontakt zur fast märchenhaft anmutenden Welt Zamoniens aufgenommen. Ich habe um die Bücher von Walter Moers normalerweise immer einen weiten Bogen gemacht in der Annahme, ich könne dieser zamonischen Welt nicht richtig gerecht werden, ich mit meinem ach so erwachsenen Selbst. Und nun ist es so: Ich könnte mich weiterhin an der wundervollen Aufmachung dieses Buch erfreuen, die so viel Liebe erahnen lässt, die in dieses Projekt geflossen ist. Und umso berührter bin ich durch die Nachbemerkung des Autors, die den Leser die Geschichte im Nachhinein noch einmal ganz anders beleuchten lässt – mich zumindest. Ich kann nicht viel darüber verlauten lasse, wie sich dieser Roman von Walter Moers im Gegensatz zu seinen anderen Werken macht. Ich kann leider nicht beurteilen, ob bereits bekannte Gestalten auftauchen oder Verlinkungen anderer Art mit weiteren seiner Bücher bestehen. Aber ich kann sagen, was mir abseits der Gestaltung, die nun wirklich außergewöhnlich schön ist und dieses Buch an sich schon zu einem wunderbaren Geschenk werden lässt, an diesem Werk gefällt, was ich an Dylia und ihren Wortschöpfungen mag. Sie sagte einmal, sie sei kein „Wissensschwamm“ – denn der Schwamm sauge nur etwas auf, ohne damit etwas anzufangen. Und so habe ich auch diese Geschichte betrachtet. Es geht nicht nur darum, sie zu lesen, sich von ihr unterhalten zu lassen, sondern weiterzudenken. Etwas aus ihr zu machen. Beispielsweise etwas aus dem Wissen zu machen, dass uns in der Nachbemerkung des Autors darüber informiert, dass es sich hierbei um den ersten seiner Romane handelt, der gänzlich nicht vom Autor, sondern von einer jungen Frau illustriert wurde, die selbst, genauso wie Dylia an einer Krankheit leidet, deren Symptom eine extreme Schlaflosigkeit beinhaltet. Wie in Dylias Leben geht es darum, sich nicht unterkriegen zu lassen, der Schlaflosigkeit mit Kreativität zu begegnen, auch wenn so ein Leben hart und für niemanden, der gesund ist, wahrscheinlich annähernd nachvollziehbar ist. Sie ist sich dessen bewusst, dass nur ihre Gedanken frei sind, sie selbst eine Gefangene der Krankheit – das nutzt sie für sich, wenn die Symptome mal wieder unbarmherzig zuschlagen. Denn Erkrankungen haben keinen Humor, auch wenn man sie in diesem Buch so herzig illustriert vorfindet, die kleinen Symptome…Krankheiten entsprechen auch keiner Logik – und im Gegensatz dazu steht Dylia mit ihrer Liebe zu Strukturen der Worte, die sie immer wieder auf das neue ersinnt, um sich abzulenken von dem was sie quält. Mal mehr und mal weniger erfolgreich. Ich mit meinem Hintergrund kann also gar nicht enttäuscht sein, wie ich es von anderen Seiten aus höre, denn ich habe keinen Vergleich. Aber ich habe meinen Kopf und das Wissen, dass hier etwas geschaffen wurde, was viel mehr ist, als ein bloßer Roman...Es ist die Geschichte eines jungen Mädchens, dass die Stärke besitzt, sich nicht unterkriegen zu lassen.