Leserstimme zu
Das saphirblaue Zimmer

Im Sog der Vergangenheit - eine außergewöhnlich gut erzählte Familiensaga

Von: Hanne / Lesegenuss
14.11.2017

"Das saphirblaue Zimmer" ist ein gemeinsames Werk der Autorinnen Beatriz Williams, Lauren Willig und Karen White. Der Roman handelt von drei Frauen, Olive, Lucy und Kate. Dass sie familiär miteinander verbunden sind, stellt sich nach wenigen Kapiteln heraus bzw. man kann es erahnen. Handlungsort ist New York. Es beginnt im Sommer 1944 mit Kate. Diese arbeitet als Ärztin im Stornway Hospital, einer siebenstöckigen alten Villa in Manhattan. Kate kannte diese von früher her durch die Spaziergänge mit ihrer Mutter. Auch wußte sie, dass diese dort einmal kurz gelebt hatte. Kate's Geschichte ist in der Ich-Erzählperspektive geschrieben, während die von Olive und Lucy aus deren Sicht. Was aber verbindet diese drei Frauen? New York 1892: Olive Van Alan arbeitet im Haus der reichen Familie Pratt in deren herrschaftlicher Villa. Diese lag in Manhattan, Es herrschte seit Jahren ein wahrer Bauboom. Olives Vater hatte die Pratt-Villa entworfen, bauen lassen, doch am Ende der zweijährigen Bauzeit wurde der Architekt für seine Arbeit nicht entlohnt. Das war schädlich für Olives Vaters Ruf und seiner Karriere, der sich letztendlich aus dem Leben schied. Als Olive eines Nachts im Arbeitszimmer von Pratt nach Dokumenten sucht, trifft sie auf Harry Pratt, Sohn der Familie. Die Geschichte zwischen den beiden ist ganz zauberhaft geschrieben. Es ist Liebe, doch sie darf nicht sein. New York 1920: Olives Tochter Lucy bezieht ein Zimmer in der ehemaligen Stadtvilla. Sie ist sechsundzwanzig und arbeitet in einer Anwaltskanzlei. Aufgewachsen war sie in Brooklyn. Ihre Mutter war erst gestorben. Auf dem Weg hoch in das Stockwerk kommt sie an einem Wandmotiv vorbei und ist erschrocken. Genauso eins hatte die Mutter in ihrem Kinderzimmer an die Wand gemalt. Sie wußte, dass das Haus und ihre ehemaligen Bewohner einen wichtigen Abschnitt im Leben von Olive gespielt hatten, doch die Mutter hatte geschwiegen. Ihr letztes Wort auf dem Sterbebett war "Harry". New York 1944: Kate betreut den schwer verletzten Captain Revenel. Unterstützung erhält sie durch Schwester Hathaway. Kate hat einen schweren Stand im Haus. Gerade bei diesem Patienten bekommt sie den Gegenwind des Oberarztes zu spüren. Sie ist intelligent und missbilligt so manche Behandlungsmethode hier. Dr. Kate Schuuyvler und Ravenel, … eine weitere Liebesgeschichte? Doch er war verlobt. Es brauchte etwas Zeit, um die Verbindung der drei Hauptcharaktere zu sehen. Das Leben von Olive, Lucy und Kate, die Wiedergabe der damaligen Lebensumstände Ende des 20. Jahrhunderts, ebenso der Standesdünkel, das gemeinsame, was sie verbindet, meiner Meinung nach haben die drei Autorinnen hier eine sehr ansprechende Familiensaga geschrieben. Jede Geschichte hat mich gepackt. Jede Geschichte hat ihren eigenen roten Faden, der sich schließlich am Schluss zu einem Ganzen zusammenbindet. Die Magie zwischen Olive und Harry, seine Leidenschaft zum Malen, sie kommt spürbar zwischen den Zeilen heraus und überträgt sich im Endeffekt auf die Gesamtatmosphäre. Es sind schon bewegende Geschichten, wunderbar erzählt. Das Cover ist ein Eyecatcher. Die Farbauswahl und Motivgestaltung laden direkt ein zum Lesen, wie auch der Klappentext. "Das saphirblaue Zimmer" ist eine Familiensaga, die das Herz berührt, aber auch tiefgründig ist. Wie gesagt, der Roman liest sich schon nach wenigen Kapiteln wie von selbst und den Leser neugierig, wie es denn ausgeht. — Ein absolutes Wohlfühlbuch, eine Familiensaga, rundum gelungen —