Leserstimme zu
Der Mann im Park

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Wer ist der Mann im Park?

Von: Monika Stutzke
17.02.2015

1953: John Stierna, der die letzten Jahre im Kriminalmuseum gearbeitet hat, geht ein Jahr vor der eigentlichen Pensionierung in Rente. Bevor er dort angefangen hatte, war er jahrelang als Kommissar tätig. Er fährt nach Visby, um dort seinen Urlaub zu verbringen. Dort wird er von dem Journalisten Grönwall aufgesucht, der ihn zu einem 25 Jahre zurückliegenden Fall interviewen will. Vor 25 Jahren, im Jahr 1928, wird die achtjährige Ingrid tot aufgefunden. John Stierna ist der ermittelnde Kommissar. Mit einem Großaufgebot an Polizei gehen die Ermittlungen los, aber der Fall wird nie aufgeklärt. Als er jetzt dem Journalisten von dem Fall erzählt, erinnert er sich, dieser Mord hat ihn nachweislich geprägt. Ist es möglich, nach so vielen Jahren noch den Mörder zu finden? ... Nach schwedischem Recht verjährt ein Mord nach 25 Jahren. John Stierna hat es nie verwunden, dass es ihm und seinem Team seinerzeit nicht gelungen ist, den Mord an der kleinen Ingrid aufzuklären. Er hatte ihrer Mutter versprochen, den Mörder zu finden, konnte dieses Versprechen jedoch nie einlösen. Bevor er in Ruhestand gegangen ist, hatte er sich noch alle wichtigen Unterlagen des lange zurückliegenden Falles kopiert, um alle Erkenntnisse des Falles noch einmal durchzugehen. Minutiös wird der Fall von ihm noch einmal aufgewickelt. Er erzählt einem Journalisten all die Schritte, die seinerzeit unternommen worden. Schnell kristallisierte sich heraus, dass der Mörder ein Mann war, der sie im Park angesprochen hat. Immer wenn sie ihm kurz auf den Fersen waren, verschwand er. Ein gestohlenes Auto, mit dem der Mörder gefahren ist, verschwand für Jahre in der Versenkung. Zeugen wurden befragt, die Presse wurde eingeschaltet, aber alles ohne Erfolg. John Stierna ist daran zerbrochen. Seine Ehe zerbrach. Neben den Ermittlungen des Teams erfährt der Leser auch die Gedankengänge des Mörders. Seine Beweggründe und sein krankes Denken werden dem Leser nahegelegt. Stierna hat all die Jahre gehofft, doch noch den Mord aufzuklären, doch nun sind es nur noch ein paar Tage, bis der Todestag der kleinen Ingrid sich zum 25. mal jährt. Wenn der Mörder bis dahin nicht gefasst ist, geht er straffrei aus, die Zeit drängt also. Der Roman spielt in zwei Zeitabschnitten, 1928, als der Mord geschah und 1953, als Stierna sich noch einmal mit dem Mordfall beschäftigt. Der Leser wird ziemlich genau mit den Möglichkeiten der Polizeiarbeit des Jahres 1928 vertraut gemacht. Die Hightechnik, die der Polizei heute zur Verfügung steht, gab es damals noch nicht. Das war wirklich noch alles Handarbeit, die die Polizei leisten musste. Der Roman wird als Thriller deklariert, ich würde ihn eher als Krimi bezeichnen. Einer der ruhigen, besinnlichen Art. Action und Tempo fehlen hier völlig, er ist stellenweise ein wenig zu genau, so dass er ab und an ein paar Längen eingeschlichen haben. Die Auflösung des Falles überraschte mich leider nicht mehr, denn mein Verdacht ging in genau die Richtung. Auf jeden Fall ein Krimi, der einen tiefen Einblick in längst vergangene Polizeiarbeit bietet, die sehr genau recherchiert wurde.