Leserstimme zu
Ziemlich alte Helden

Es lebe die Freiheit

Von: Bri
26.11.2017

Ein Dorf in Apulien, eine Bar, in der verbotenerweise geraucht wird, eine Gruppe alter Männer, die Gesellschaft suchen und sie dort finden, eine neu errichtete Seniorenresidenz, die ihnen als neuer Lebensmittelpunkt schmackhaft gemacht werden soll und ein junger, nicht aus dem Ort stammender Polizist, der versucht, die renitenten Alten in Schach zu halten, geben Ziemlich alten Helden den typisch schlitzohrigen italienischen Touch, den ich seit der schwarz-weiß Verfilmungen der Geschichten um Don Camillo und Peppone so sehr mag. Gewiss, ein paar ihrer Aktionen sind nicht ungefährlich, fährt der über 90 Jahre alte und so gut wie blinde Gino immer noch regelmäßig mit seiner Ape – dem typisch dreirädrigen Kleintransporter, der sich auch auf dem Buchcover wiederfindet – durch die Gegend und versetzt so manchen in Angst und Schrecken damit. Passiert ist jedoch bisher nichts und die Staatsgewalt wird mit Hilfe von Ginos Freunden erfolgreich ausgetrickst. Ein ums andere Mal. Renitent könnte man das nennen, Lebensfreude und ja auch ein wenig Starrsinn sprechen daraus. Die Alten wollen einfach eines nicht, bevormundet werden und wenn man mal ehrlich ist, möchte das niemand. Egal wie alt man ist. Simona Morani hat mit ihrem Debüt Ziemlich alte Helden einen unterhaltsamen Roman vorgelegt, der in Italien zum Bestseller wurde. Weshalb kann man sich denken: Früher galt in Italien vor allem eines, die Großfamilie. Altenheime, ob nun Residenz genannt oder nicht, waren nicht angesagt. Anders als in Deutschland hielt die Familie zusammen, es gab mehr Kinder, die sich in die Betreuung der Senioren teilen konnten, lebten sie doch meist alle zumindest in der Nähe. Doch auch in Italien wandelt sich die Gesellschaft und es gibt genügend Dörfer, in denen nur noch die Alten leben. Außerdem kann man den Italienern durchaus eines nachsagen: Eine gewisse Renitenz, was das Befolgen von gewissen Regeln angeht. Ein bisschen Garibaldi steckt doch in jedem von ihnen. Witzig, charmant, überraschend und unterhaltend hat die noch sehr junge Autorin, die für ihr Debüt im übrigen auch einen Preis erhielt, eine großartige Beobachtungsgabe an den Tag gelegt. Warmherzig und kitschfrei erzählt sie von den Problemen alter Menschen, die sich selbst nie so alt fühlen, wie sie Jahre auf dem Buckel haben. Nebenbei bringt sie noch ein Stückchen des Sommers in graue Novembertage und singt ein Loblied darauf, nicht immer alles hinzunehmen. Eine nette Urlaubs- oder Zwischenlektüre zweifelsohne, die in der Hörbuchversion von Dieter Hallervorden gelesen, sicherlich auch einen besonderen Reiz entfallen kann.