Leserstimme zu
Todesfrist

Bitte mehr davon

Von: Monika Stutzke
19.02.2015

Sabine Nemez ist die jüngste Kommissarin vom Münchner Kriminaldauerdienst. Liebend gern würde sie sich zur Profilerin ausbilden lassen und stellt jedes Jahr einen Antrag ans BKA, bis jetzt ohne Erfolg. Eines Abends, sie will gerade zur Nachtschicht, trifft sie auf ihren Vater, der auf sie wartet. Er erzählt ihr verzweifelt, dass er von jemandem angerufen wurde, der ihm eine Frage stellte, die er lösen soll. Wenn ihm das innerhalb von 48 h nicht gelingt, stirbt seine Exfrau. Die Zeit ist abgelaufen und er weiß sich keinen Rat mehr. Als sich Sabine bei ihrer Dienststelle meldet, erfährt sie, dass eine Frauenleiche gefunden wurde. Sie ahnt schreckliches, was sich auch bewahrheitet. Ihre Mutter wurde ermordet, auf grausamste Weise wurde sie mit 2 l Tinte regelrecht ertränkt. Als sie sich mit Hilfe eines Freundes in die Systemdatenbank Daedalos einloggt, bleibt das nicht unbemerkt. Maarten S. Sneijder, Profiler aus Wiesbaden, nimmt sich des Falles an und reißt alles an sich. Sabine würde ihm gern zur Seite stehen, aber der zynische und schroffe Kollege verzichtet. Als sie feststellt, dass der Mord an ihrer Mutter nach dem Buch des Struwwelpeters ausgeübt wurde, wird Sneijder hellhörig und nimmt die Hilfe der jungen Kommissarin an, denn es gab schon andere Morde, die, wie Sneijder nun feststellen muss, ebenfalls nach dem bekannten Kinderbuch begangen wurden. Die Jagd nach einem wahnsinnigen Mörder beginnt, denn noch sind nicht alle Geschichten aus dem Buch grausame Wahrheit geworden. Der Kampf gegen die Zeit beginnt... Wow, kann ich nur sagen. Andreas Gruber läuft zur Höchstform auf. Gleich zu Beginn des Buches wird der Leser in die Geschichte hineinkatapultiert. Eins der Opfer wird entführt und man nimmt teil an dem Schrecken und der Angst des Opfers, kann die Verzweiflung förmlich spüren. Weitere grauenvolle Morde passieren. Die Toten werden in München, Dresden und Leipzig gefunden, immer in einem Dom. Alle verbindet die Tatsache, dass der Entführer und spätere Mörder eine Kontaktperson anruft, die ihm innerhalb von 48 h eine Frage beantworten muss. Schafft sie es nicht, stirbt das entführte Opfer. Die clevere Kommissarin Sabine Nemez erkennt den Zusammenhang zwischen den Morden und dem Kinderbuch vom Struwwelpeter. Alle Morde basieren auf dieses Buch, sei es nach Art des Suppenkaspers, des Hans Guck in die Luft oder vom Zappelphillip. Immer wird eine der Geschichte dazu missbraucht, die Todesart festzulegen. Recht bald ist klar, wer der Mörder ist. Die Handlung verläuft in 3 Strängen. Einerseits ermitteln Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder und gehen allen Hinweisen und Vermutungen nach und versuchen den Fall zu lösen und den Mörder zu finden. Ein anderer Strang sind Rückblenden, an denen der Leser an Therapiestunden bei der Psychologin Dr. Rose Harmann teilnimmt , die der Mörder nach Gerichtsauflagen absolvieren muss. Im 3. Strang ist Dr. Helena Berger, ebenfalls Psychologin eine von den Kontaktpersonen, die angerufen wird, um innerhalb von 48 h das Rätsel zu lösen. Sie, die ehemals Profilerin bei der Polizei war, versucht ihr Glück und gerät selbst ins Visier des Mörders. Diese 3 Stränge bilden eine Einheit und so nach und nach lichtet sich das Rätsel um den Mörder und seiner Opfer. Andreas Gruber ist mit diesem Thriller ein weiteres Meisterwerk gelungen. Gut durchdacht und genauestens durch den Autor recherchiert, erlebt der Leser ein Wechselbad der Gefühle. Die Morde sind in ihrer grauenvollen Art einzigartig. Die Idee, das Buch des Struwwelpeters, das an sich schon grausam ist, für die Morde heranzuziehen, ist erschreckend gut umgesetzt. Die Ermittlungsmethoden der beiden Beamten sind eindeutig und lassen sich gut nachvollziehen. Die Auswahl des Mörders, sich für Helena Berger zu entscheiden, finde ich absolut gelungen. Die Protagonisten Sabine und Helena sind sehr gut gezeichnet und wirken sehr sympathisch. Selbst Maarten, der anfänglich fast wie das Ekel Alfred erscheint, hat so einige Züge, die ihn mit der Zeit menschlich scheinen lassen. Trotzdem bleibt er in seiner brummigen Art einzigartig. Mit der Psychologin Rose konnte ich mich nicht wirklich anfreunden, sie wirkte von Beginn an als zu perfekt. Andreas Gruber jagt den Leser von Beginn an durch die Geschichte, von Mord zu Mord, ohne ihm die Zeit zu lassen, zwischendurch Luft zu holen. Man hat keine Chance, das Buch aus der Hand zu legen, man hat förmlich Angst, es geht weiter, ohne dass man dabei ist. Geschickt verwebt er die 3 Handlungsstränge zu einem ganzen, das mit einem gewaltigen Knall endet. Für mich war es wieder eine Offenbarung, Andreas Gruber zu lesen. Inzwischen bin ich süchtig nach ihm, einem Autor, dessen Bücher man nicht mehr aus der Hand legen kann. Ein Buch, das ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann und werde.