Leserstimme zu
Schattengrund

Grandioser Jugendthriller

Von: Monika Stutzke
19.02.2015

Ein Besen, eine alte Postkarte und ein Stein, das sind die Dinge, die sie von ihrer Tante Kiana geerbt hat. Bevor Nicola, Nico genannt, sich überhaupt Gedanken über diese Dinge machen kann, lehnen ihre Eltern, die gemeinsam mit ihr beim Notar sitzen, das Erbe im Namen von Nico ab. Nico ist 17 Jahre und bis zu ihrer Volljährigkeit fehlen noch 6 Wochen, so dass die Eltern das Recht dazu haben. Als Nico dem Anwalt sagt, dass sie diese 3 Dinge als Erbe annehmen würde, erfährt sie, dass sie nunmehr auch noch das Haus "Schattengrund" im Harz geerbt hat. Dieses Erbe könnte sie antreten, wenn sie die Auflagen, die mit dem Besen, der Karte und dem Stein zusammenhängen, erfüllt. Wiederum lehnen die Eltern es kategorisch ab und Nico hat kein Mitspracherecht, da die Einspruchsfrist einen Tag vor ihrem 18. Geburtstag abläuft. Auch wenn sie aufgrund ihrer Eltern das Erbe nicht antreten kann, ist sie neugierig geworden und will sich das Haus wenigstens einmal angesehen haben. Sie hat weder Erinnerungen an ihre Tante noch an den Ort, in dem das Haus steht. Ihre Eltern halten sich an der Stelle bedeckt und geben keinen Kommentar ab. Es erfolgen auch keine Erklärungen, warum es keinen Kontakt mehr zu Kiana gegeben hat. Nico macht sich nach Absprache mit ihrer Freundin, die sie das Wochenende über als Alibi decken soll, auf den Weg in den Harz, um sich das Haus anzusehen. Es ist Winter, bitterkalt und ein Sturm nimmt Kurs auf den Harz. Dort angekommen, muss Nico sehr schnell erkennen, dass die Leute sie meiden, hassen oder sogar bedrohen. Es wird so schlimm, dass sie zeitweise um ihr Leben bangen muss. Als sie nur noch weg will, wieder nach Hause, muss sie erkennen, dass dieser Weg ihr vorerst verschlossen ist, denn der angekündigte Sturm hat den Harz fest im Griff, die Räumfahrzeuge schaffen es nicht, bis ins Dorf zu gelangen. Nico, die sich bis zu dem Zeitpunkt auch nicht mehr daran erinnern konnte, was damals vor 12 Jahren, als sie zum letzten Mal dort gewesen ist, vorgefallen ist, fängt an, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Was ist damals passiert und warum geben alle ihr und ihrer Tante Kiana die Schuld an dem Tod von ihrer kleinen Freundin Fili, die wie sie damals 6 Jahre alt war. Leon, der ebenfalls im Ort zu Besuch ist, ist der Einzige, der ihr auf ihrer Suche nach der Vergangenheit hilft ... Wow, war mein erster Gedanke, als ich mit dem Buch fertig war. Ursprünglich war angedacht, es kurz anzulesen, woraus nichts wurde. Es hatte mich dermaßen gepackt, dass ich alles andere beiseite geschoben habe und einen Lesetag daraus gemacht habe. Zusammen mit der Protagonistin Nico ist der Leser sehr lange im Unklaren, warum ihre Eltern all die Jahre lang Stillschweigen über Tante Kiana und "Schattengrund" bewahrten. Nico stellt Fragen zur Vergangenheit und lässt dadurch alte Wunden wieder aufbrechen und das Böse wieder erwachen. Die Autorin hat hier einen Thriller geschrieben, der den Leser von Anfang an in Atem hält. Der Prolog, der 12 Jahre vor den jetzt erlebten Ereignissen spielt, lässt einen schon frösteln. Die Spannung hält einen fest, der Spannungsbogen, der sehr zeitig aufgebaut wird, steigert sich stetig, bis er am Schluss noch einmal angezogen wird. Die Autorin lässt ihre Geschichte im Harz spielen, einer Gegend, in der es von Sagen und Märchen nur so wimmelt, so dass sie nicht umhin konnte, sie auch in ihrem Buch eine entscheidende Rolle spielen zu lassen. Das Ganze gemischt mit Elementen zum Gruseln, Mordversuchen, Geheimnissen und Wetterkatastrophen machen das Buch zu einem gelungenen Thriller. Aber auch die Feundschaft, Romantik und ein wenig Verliebtsein fehlt hier nicht und machen das Buch lesenswert. Die Protagonisten Nico und Leon sind sehr gut charakterisiert und überzeugend glaubwürdig. Bei der Beschreibung der Örtlichkeiten hat man als Leser das Gefühl, dort selbst zu stehen und sich umzusehen,egal ob im Dorf, im Wald oder an und in der Höhle. Das Buch wird als Jugendbuch für die Altersgruppe 14 - 17 Jahre deklariert, was aber Erwachsene nicht davon abhalten sollte, dieses Buch ebenso zu lesen.