Leserstimme zu
Wir beide, irgendwann

Was wäre wenn ich meine Zukunft ändern kann

Von: Monika Stutzke
19.02.2015

Emma und Josh sind 16 Jahre alt, Nachbarskinder und seit Jahren sehr gut befreundet. Zumindest waren sie das, bis Josh mehr wollte als Freundschaft. Als Emma nun von ihrem Vater einen Computer geschenkt bekommt, gibt Josh ihr eine CD mit dem AOL-Programm, das sie auf den Rechner installieren will. Schon beim ersten Einloggen gerät sie auf eine Seite, die sich "Facebook" nennt, die ihr völlig fremd vorkommt. Als sie dann auch noch feststellen muss, dass sie dort Mitglied ist, Bilder von sich sieht, auf denen sie älter als jetzt ist, hält sie es für einen Joke. Es kann ja nicht sein, dass sie auf eine Seite geraten ist, die es erst in 15 Jahren geben wird. Dort ist sie 31, arbeitslos und ihr Mann scheint fremd zugehen. Was für eine niederschmetternde Zukunftsaussicht. Als sie Josh dazuholt und in seine Zukunft guckt, ist dieser mehr als zufrieden, denn er hat einen gut bezahlten Job und ist mit dem hübschesten Mädchen der Highschool verheiratet. Glück, was willst du mehr. Emma will ihre Zukunft ändern, aber wird es ihr gelingen und vor allem, welche Konsequenzen hat es für alle anderen? Was wäre wenn ich in meine Zukunft gucken könnte, so 15 Jahre weiter? Wie geht man damit um, wenn einem nicht gefällt, was man sieht? Wer genau würde das nicht verhindern wollen? Die Motive, die Emma leiten, ihre Zukunft ändern zu wollen, nachdem sie ihre Zukunft in 15 Jahren gesehen hat, kann ich sehr gut nachvollziehen. Wer möchte schon arbeitslos sein und einen Mann haben, dem man nicht trauen kann? Die Ideen, die die Autoren aufzeigen, um die Zukunft zu ändern, finde ich schon gelungen. Emma steigt in die Materie voll ein. Josh, der mit seiner Zukunft mehr als zufrieden ist und daraufhin auch seine Gegenwart gestaltet, steht Emmas Änderungen skeptisch gegenüber. Er hat Angst, dass die Änderungen auch ihn betreffen könnten und ist jedes mal erfreut, wenn seine Zukunft konstant bleibt. Der Blick in die Zukunft macht Emma und Josh aber auch nachdenklich und sie hinterfragen ihre Gegenwart. Die Autoren führen uns zurück in eine Zeit, wo es noch nervig war, sich ins Internet einzuloggen. Telefonieren und zeitgleich Internet ging nicht, da die Leitung belegt war. Eine Zeit, in der die heutige Realität nerven würde. "Aber stell dir vor, wir würden heute schon erfahren, dass wir uns in Zukunft wieder im Krieg befinden oder dass wir es immer noch nicht geschafft haben, einen Farbigen oder eine Frau zum Präsidenten zu wählen, oder dass sich die alten Stones auch weiterhin auf die Bühne schleppen - das würde mich echt total abturnen" (S. 66) Ein gelungenes Jugendbuch, das auch den Ansprüchen der älteren Jugend gerecht wird. Während des Lesens musste ich öfter mal schmunzeln, wenn die Erinnerung an vergangene Zeiten aufkam, die man bislang erfolgreich verdrängt hatte.