Leserstimme zu
Abschied in Prag

Eine ganz besondere Liebesgeschichte

Von: Betsy aus Wien
21.12.2017

Dieses Buch hat mich schon nach den ersten Seiten gefangen genommen, als Josef hier die Bekanntschaft mit einer Dame macht, die ihn an jemand ganz Besonderen aus seiner Vergangenheit erinnert. Nach einem Satz, mit dem diese Begegnung dann vorerst endet, hat die Autorin den Leser regelrecht am Haken hängen und man muss einfach weiterlesen, so sehr will man erfahren, was es damit auf sich hat. Im weiteren Verlauf wird aus Lenkas und Josefs Perspektive erzählt, wie deren jeweilige Leben in der Vergangenheit verlaufen sind. Es ist eine unglaublich berührende und schöne Geschichte, die zwar einiges an Tragik aufbietet, aber dennoch nie zu übertrieben oder zu unglaubwürdig wirkt und sehr einfühlsam die Schrecken des Holocausts schildert. Der Schreibstil der Autorin ist ruhig, aber nichtsdestotrotz sehr ausdrucksstark, und ihr gelingt es in wenigen Worten sehr viel Gefühl zu transportieren. Dazu baut man als Leser eine Verbindung zu Lenka und Josef auf und nimmt großen Anteil an ihrem persönlichen Werdegang. Man erlebt gemeinsam mit ihnen den Anfang ihrer Liebesgeschichte, das scheinbare Ende und alles, was dazwischen und danach passiert. Es gibt hier wunderschöne, liebevolle und innige Momente, aber auch sehr traurige und schreckliche Ereignisse, die die Unbeschwertheit der ersten Liebe sowie ihre ehemals gemeinsamen Zukunftsträume wie einen schönen Traum erscheinen lassen. Bei beiden spielt die jeweilige Familie eine wichtige Rolle und einmal mehr zeigt sich, wie weit man bereit ist für diese zu gehen und wie viel Kraft einem der Zusammenhalt gibt. Dazu erfährt man aus der Sicht von Josef, was es heißt, dem Krieg entkommen zu sein, während man einen geliebten Menschen zurücklassen musste, sowie aus Lenkas Sicht, wie es ist, den Holocaust er- und überlebt zu haben, während so viele andere neben einem gestorben sind. Sehr präsent ist hier immer wieder die Sehnsucht, die beide nacheinander haben und die in all den Jahren und trotz ihrer neuen Leben nie wirklich verschwunden ist. Ihre Erinnerungen an ihre kurze Zeit sind kostbar und jeder hütet diese wie einen Schatz tief in seinem Inneren verborgen. Ein ganz besonderer Aspekt, der hier auch aufgegriffen wird, ist die Kunst, die für Lenka eine wichtige Rolle spielt, und wie diese auch im KZ präsent ist, und unter anderem dem Widerstand dient, um auf die Grausamkeiten darin aufmerksam zu machen. Die Autorin zeigt hier sehr schön, wie vielfältig Kunst sein kann und wie sie den Menschen einen Grund zum weitermachen gibt und trotz der Umstände Freude in ihr Leben bringt, und sei es auch nur für kurze Momente. Das Ende ist dann sehr schnell da und gerne hätte man noch ein paar mehr Seiten gehabt, aber dennoch ist der Schluss passend und auch das Nachwort der Autorin, in dem sie kurz auf die realen Elemente in ihrer Geschichte eingeht, rundet das Ganze schön ab und zeigt, wie inspirierend reale Menschen sein können. Fazit: Eine unglaublich schöne, aber auch sehr emotionale Geschichte mit Momenten, die den Leser tief im Herzen berühren und mit den beiden mitfiebern lassen, ob es noch ein Happy End für sie gibt. Beide Sichtweisen ziehen einen in ihren Bann und man verfolgt gespannt ihre jeweiligen Lebensgeschichten. Dieses Buch will man am liebsten erst aus der Hand legen, wenn man fertig ist, denn man kann und will nicht aufhören zu lesen, um zu erfahren, was das Schicksal für Lenka und Josef bereithält. Ein sehr eindringlicher und gefühlvoller Erzählstil, der neben dieser großen Liebesgeschichte auch ein sehr einprägsames Bild der damaligen Zeit wiedergibt. Ich kann diese Geschichte wirklich nur jedem ans Herz legen, denn sie ist einfach in jeder Hinsicht etwas ganz Besonderes. Es ist ein Buch, das man, wenn man es erst einmal gelesen hat, wirklich bereuen würde, es nicht getan zu haben, weil man etwas ganz Außergewöhnliches verpasst hätte. Also lesen, lesen, lesen und Taschentücher bereithalten!