Leserstimme zu
Leere Herzen

Guter Politthriller

Von: Bookish Jay
09.01.2018

Inhalt: Sie sind desillusioniert und pragmatisch. Sie haben den Zynismus der Politik genauso durchschaut wie den modernen Selbstoptimierungswahn oder das kleinbürgerliche Gutmenschentum. Sie haben sich in der Welt erfolgreich eingerichtet - und sie haben keine Lust, deswegen Schuldgefühle zu haben. Zusammen mit dem Informatikgenie Babak Hamwi hat Britta Söldner eine kleine Firma aufgezogen, die beide reich gemacht hat. Hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume aber betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod. Als ihr Unternehmen unliebsame Konkurrenz zu bekommen droht, setzt Britta alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer auszuschalten. Doch sie hat ihre Gegner unterschätzt. Bald ist nicht nur Brittas Firma in Gefahr, sondern auch ihr Leben… Meinung: Gelesen wird das Hörbuch von Ulrike C. Tscharre, die wirklich eine tolle Stimmfarbe hat. Es ist eine Stimme, der ich gerne zuhöre und die im Ohr bleibt. Sie versteht es, während des Lesens der Geschichte einen Ton zu verpassen, auf den der Hörer genau hinhören muss. Inhaltlich ist das Buch ein Politthriller, in „Leere Herzen“ wird ein fast schon dystopisches Deutschland der nahen Zukunft geschildert. Juli Zeh geht aber nicht direkt auf die politischen Probleme Deutschlands ein, sie streift die Themen nur und geht nie tief in die Materie ein. Für mich als Hörer war das doch eher angenehm, denn mein politisches Verständnis ist sehr begrenzt. Ich kann aber verstehen, dass diese Tatsache manch einen Leser (oder auch Hörer) ratlos zurücklässt. Die politischen Umstände im Roman waren für mich auf den Punkt gebracht. Weder zu Britta noch zu Babak konnte ich in irgendeiner Weise eine Beziehung aufbauen. Beide sind sehr unterschiedlich, auch in ihren Ansichten was ihre gemeinsame Arbeit angeht. Dennoch vertrauen sich die beiden und ziehen zusammen an einem Strang. Leider kam mir keiner der beiden sonderlich sympathisch vor, als Hörer habe ich nicht viel Einblick in die beiden Charaktere bekommen. Sie blieben für mich farblos und schwammig. Das Geschäft von Britta und Babak wirkt im ersten Moment sehr abschreckend, ich habe mir die Frage gestellt, was für ein Mensch man sein muss, um ein Geschäft mit geplanten, organisierten Suiziden zu betreiben? Die Antwort lässt sich aber schnell finden. Die Protagonisten Britta und Babak haben aus dieser perfiden Idee ein ein gut laufendes Geschäft entwickelt, die sie gut getarnt als „Die Brücke“ am Leben halten. Hieraus entsteht auch die Spannung, denn irgendwann sehen Britta und Babak die Gefahr, die ihr Geschäft mit sich bringt. Fazit „Leere Herzen“ ist ein etwas anderer, aber spannender Politthriller, der sich gut „weghören“ lässt. Es ist ein Roman, auf den sich der Leser einlassen muss, mit viel Kritik an die Politik und der Gesellschaft. Leider hat mir das besondere Etwas gefehlt… Ich vergebe dreieinhalb von fünf Sternen!