Leserstimme zu
Thronräuber

Überraschung zum Jahresende

Von: lexana
13.01.2018

Das Cover hätte mich sicherlich nicht überzeugt, dieses Buch zu kaufen. Leider sind die Science Fiction Bücher nicht selten mit nicht ganz so starken Covern ausgestattet. Auch das von Thronräuber ist eher nichtssagend und austauschbar und wirkt auch ein wenig billig. Wenn ich es mit den Dystopien und Jugendbüchern vergleiche, wird sich da doch weit mehr Mühe gegeben. Dabei könnte dieses Buch viel mehr Beachtung vertragen, denn es ist wirklich verdammt gut. Doch mit so einem unscheinbaren Cover, kann es gerade Leser, die nicht permanent Science Fiction lesen, nicht erreichen, was ich unglaublich schade finde, da es kein typisches Science Fiction und durchaus auch für Fantasyleser geeignet ist. Thronräuber erzählt von Hail, die sich von ihrer Familie abgewandt hat, um den Mörder ihres Vaters zu finden, da sie sich von ihrer Mutter enttäuscht fühlt. Hails Mutter ist die Herrscherin von Indrana, einer Welt, die von Menschen erschlossen wurde. Eigentlich möchte sie nie wieder zurück, aber dann wird ihre Mutter krank und Hail bleibt nichts anderes übrig, als sich ihrer Pflicht zu stellen. Tatsächlich spielt der Roman in unserer Zukunft. Die Menschheit hat es ins All geschafft und neue Planeten erschlossen. Jetzt herrscht kein Machtgerangel mehr auf der Erde, jetzt herrscht es zwischen den Planeten und Föderationen. Indrana ist eine autonome Welt und augenscheinlich waren Inder die ersten Siedler. So ist die Welt nicht nur sehr dicht an der indischen Kultur, sondern auch der Glaube, der vorherrscht. Eine faszinierende Vorstellung, die ich wirklich spannend fand. Dazu kommt, ganz anders wie im heutigen Indien, dass Männer quasi nichts zu sagen haben bzw. nur eine Nebenrolle spielen. Die wahren Herrscher und Krieger sind Frauen. Eine ganze Welt, die nur von Frauen regiert wird und trotzdem nicht weniger brutal oder kriegerische scheint. K.B. Wagers hat sich etwas einfallen lassen und obwohl die Geschichte recht gradlinig verläuft und es im Grunde klar ist, was passieren wird, weiß man nie wann oder wie. Ein wenig erinnert mich die Geschichte um Hail und ihre Familie an Game of Thrones. Intrigen, Rachsucht, politische Ränkeleien, Familienzwist, viele Tote, darunter Charaktere, die mich doch überraschten. K.B. Wagers gelingt es, den roten Faden zum Einen nie zu verlieren und zum anderen diese eigentlich recht vorhersehbare Geschichte unglaublich spannend zu gestalten, so dass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte. Dazu kommt noch der wirklich angenehme und flüssige Schreibstil. Ich hatte es erstaunlich schnell durch, trotzdem ich im Weihnachtsstress steckte. Warum ich zu Beginn schrieb, dass es auch etwas für Fantasyfans bzw. Nicht-Scifi-Fans sei? Es ist ein Setting, das durchaus austauschbar wäre, dennoch passt es einfach so wie es ist. Aber man kann sich wunderbar hinein versetzen, sowohl in die Charaktere als auch in die Umgebung. Das ganze Science-Fiction „Gebabbel“, ich nenne es mal liebevoll so, das wir Science Fiction Liebhaber mögen, kommt hier eigentlich gar nicht zum Einsatz. Einfach ein toller Roman, in einem tollen Setting. Ich freue mich jetzt erstmal auf Band 2, der im Sommer erscheinen soll. Ich wünschte mir einfach, sollte der Verlag irgendwann eine weitere Auflage planen, dass er vielleicht mit einem passenderen Cover mehr Leser anzulocken schafft, denn das hat das Buch definitiv verdient. Fazit Einfach ein toller Roman mit einem tollen Setting. Spannend vom Anfang bis Ende. Und definitiv auch etwas für High-Fantasy Fans, die mal den Blick über den Tellerrand wagen möchten. Ich kann es nur empfehlen! 5 von 5 Sternen.