Leserstimme zu
Serafina – Das Königreich der Drachen

Drachenfantasy mit Potential!

Von: Sandra @Buechernische
27.02.2015

Wenn der Autor eines meiner liebsten Drachenromane, der Schöpfer der Eragonreihe, solch ein Lob für das Buch einer Kollegin ausspricht, werde ich natürlich hellhörig. Ich habe die Geschichte Christopher Paolinis rund um Eragon und seine Beziehung zu Drache Saphira geliebt, somit war klar, dass ich Rachel Hartmans Debüt »Serafina – Das Königreich der Drachen« auch unbedingt lesen wollte. Das Buch ist gut, keine Frage, aber ein Highlight seines Genres war es nun für mich nicht unbedingt. Wie immer beginne ich meinen Überblick über dieses Buch mit seinem äußeren Eindruck. Das Cover verdient volle Punktzahl, denn Farbgebung, die goldschimmernden Buchstaben und feine Details der Illustration sind eine Augenweide. Der Blick des Mädchens, dunkles Haar, im Hintergrund die imposante Gestalt eines Drachen und das in kühlen petrol-blauen Farbtönen gestaltete Bild passt hervorragend zum Inhalt des Romans. Ich finde diese Version der Umschlaggestaltung auch gelungener als die der englischen Originalausgabe, welche in Brauntönen und Kupferstichoptik gehalten wurde. Der Roman wurde in insgesamt 37 Kapitel aufgeteilt, beginnend mit einem Prolog, welcher die ersten Lebensstunden der Protagonistin beleuchtet und mir als Leser sogleich ein Bild Serafinas vermittelt, das für den Verlauf der Handlung prägend ist. Auf den letzten zwölf Seiten befindet sich ein Glossar sowie ein Personenverzeichnis, welches sich zu durchblättern lohnt, da einem viele Begriffe erklärt werden, die für das Verständnis der Geschichte essentiell sind. Der erste Band der »Serafina«-Trilogie ist kein Buch, das mich vollends überzeugen konnte, es ist jedoch ein Buch, das mich durchaus packen konnte – leider aber erst relativ spät. Auf den ersten etwa 300 Seiten, also über die Hälfte des Plots, wurde ich intensivst in die Gedankenwelt der Protagonistin eingeführt, was aber dennoch nicht wirklich Zugang zu ihr gewährte, jedenfalls nicht von Anfang an. Serafina ist ein vielschichtiger, und auch sehr interessanter Charakter. Die Autorin hat ihre eigene Liebe zur Musik – sie spielt selbst Cello – sehr ausführlich in den Charakter Serafinas eingebunden, inklusive der dazugehörigen musikalischen Fachbegriffe und einer sehr farbigen, bildlichen Beschreibung, wie Musik auf die junge Frau wirkt. Diesen Aspekt Serafinas empfand ich als sehr gelungen, da ich ebenfalls einen engen Bezug zur Musik respektive zur Klassik habe und daher auch nicht nachschlagen musste, wenn Rachel Hartman Begriffe der Musikwelt in Dialoge einflocht. In diesem Fall gelang die Identifikation mit der Protagonistin. Serafinas Weg, mit ihrem Schicksal und ihrer Gedankenwelt umzugehen, die Idee dahinter – welche die Autorin sehr farbig und eindrucksvoll anregend für mein Kopfkino ausarbeitete -, gefiel mir ausgesprochen gut: ein Wandeln durch einen Garten, verbunden mit der Fähigkeit, gedanklich zu kommunizieren eröffnete viele Möglichkeiten für den Verlauf der Story. Der Schreibstil der Autorin wirkt ein wenig altertümlich, liest sich jedoch nicht schleppend da man sich recht schnell daran gewöhnt hat. Die eloquente Wortwahl und stilistisch leicht barock-klingende Sprache passte einfach gut zur Thematik und da dies nicht mein erstes Buch ist, das in diesem Stil geschrieben wurde, hatte ich damit absolut keine Probleme. Der Fakt, dass die Geschichte wirklich sehr langsam voran kam, die Autorin sich sehr lange mit Beschreibungen von Musikstilen, Umgebung und Hintergründen aufhielt, ohne zwischendurch wenigstens ein paar handlungsreiche Highlights einzubauen, störte mich allerdings ein wenig. Das erschwerte auch ein wenig die schlussendliche Bewertung des Buches, da die Grundidee – ein Konflikt zwischen Drachenvolk und Mensch und einem Mädchen, das zwischen den Fronten stand – hervorragend ist. Die Entwicklung der Charaktere, insbesondere Serafinas und so manches Drachen ist der Autorin sehr glaubwürdig gelungen. Serafina ist ein liebevolles Wesen, ein herzensguter, sensibler junger Mensch und war mir von Anfang an sehr sympatisch. Auch die Gegenspieler der jungen Musikerin werden wortgewandt ausgearbeitet und konnten so manches Mal während des Lesens überraschen. Der emotionale Aspekt spielt eine äußerst wichtige Rolle, das Potential dieses vielschichtigen Themas nutzt die Autorin sehr eindrucksvoll. Das Rad wird hier nicht neu erfunden, aber der Aufbau sowie die Idee der Geschichte gefiel mir. Es ist immer ein wenig schwierig, bei einer Trilogie das erste Buch zu schreiben. Die einen Leser bemängeln fehlende Informationen, den anderen fehlt Spannung. Einen gelungenen Mittelweg zu finden, ist nicht einfach. Rachel Hartman hat ihr Bestes gegeben, doch leider hat sie die Waagschale ein wenig zu weit auf Seiten der Grundinformationen belastet und erst gegen Ende des Buches die Spannungskurve Fahrt aufnehmen lassen. Der Schlussakt welcher genug Raum für Spekulation darüber, was im zweiten Buch geschehen wird, lässt, konnte mich dann doch noch zufriedenstellen und ließ mich nach dem Zuklappen des Romans mit einem Gefühl zurück, dass ich unbedingt wissen möchte, wie dieser Konflikt weitergeht. Daraus resultiert dann auch die 4-Herzen-Bewertung. Mein Fazit: Ein durchaus gelungener Auftakt einer interessanten Drachenfantasygeschichte, mit anfänglicher Schwäche und fortschreitendem Spannungsaufbau, empfehlenswert für alle Leser, die gerne Fantasy und im besonderen Drachenfantasy mögen! Ich bin gespannt auf Band 2!