Leserstimme zu
Wenn Prinzen fallen

F E S S E L N D , V E R S T Ö R E N D , A B W E C H S L U N G S R E I C H

Von: Lukas
11.03.2018

Heute achten immer mehr Leute auf eine gesunde Ernährung, treiben immer mehr Sport und versuchen einfach bewusster zu Leben. Rauchen ist in fast allen Lokalen verboten und wird auch in der Öffentlichkeit immer mehr kritisiert. All das sind Dinge, die natürlich größtenteils positiv bewertet werden. Doch was passiert, wenn wir diesen Weg akribisch weitergehen? Jens Lubbadeh versucht genau das in seinem Buch aufzuzeigen und kreiert dabei eine Welt, bei der es mir am Anfang kalt den Rücken runter lief. Ein Fitnessarmband, dass einem aufzeigt, wie die eigenen Werte sind und wie viel man noch für das errechnete Pensum tun muss ist eine Sache, das kann man ja ignorieren oder einfach nicht ummachen, aber ein Implantat, dass das erledigt und am Monatsende alles an die Krankenkasse weitergibt, ist eine ganz andere Sache. Außerdem ist der Gedanke schockierend, das bei Embryonen nicht nur Krankheiten im Vorfeld beseitigt werden können, sondern man es sich zu Aufgabe gemacht hat Behinderungen auszurotten und wer dann doch beeinträchtigt ist, ist am Rande der Gesellschaft. In dieser Welt spielt das Buch von Jens Lubbadeh. Eine Welt, in der Gesundheit und das Allgemeinwohl zu einer selbstauferlegten Diktatur geworden ist und der Autor schafft es auf fantastische Weise, mit dieser Welt in der packenden Geschichte des Thrillers zu spielen. Lubbadeh verliert zu keinem Zeitpunkt den roten Faden der Geschichte aus den Augen und man hat nie das Gefühl, dass etwas nur nebensächlich geschieht oder nur eine interessante Erwähnung am Rande ist. Alles hat seinen Platz und ist wichtig! Vielleicht klingt das jetzt etwas flach, doch das ist es definitiv nicht; vielmehr führt es dazu, dass man sich gepackt und in die Ereignisse reingezogen fühlt. Man will einfach immer weiter lesen, egal wie spät es ist oder ob man eigentlich gerade keine Zeit ist. Mir persönlich, ging das Buch zu keinem Zeitpunkt aus dem Kopf. Dazu kommt noch, dass der Autor einen sehr angenehmen Schreibstil hat, er schafft es selbst die komplizierteren Passagen in denen es zum Beispiel um Genetik geht flüssig und simpel genug zu schreiben. Bemerkenswert fand ich außerdem, wie nahtlos und angenehm er neue Figuren einführt und zwischen den Protagonisten wechselt ohne wirklich viel Zeit dafür in Anspruch zu nehmen. Neanderthal hat mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert und hat mir genau das gegeben, was ich mir von einem guten Thriller wünsche. Jens Lubbadeh hat gezeigt wie erfinderisch und flexibel er ist, wenn es darum geht seine Kapitel in unterschiedlichen Stilen und mit anderen Herangehensweisen zu gestalten. Ich kann dieses Buch jedem Thrillerliebhaber nur wärmstens empfehlen und hoffe, das ihr damit genau so viel Spaß und lange Lesenächte haben werdet wie ich.