Leserstimme zu
Das Böse, es bleibt

Das Böse, es bleibt / von Luca D'Andrea

Von: Erika Mager
22.03.2018

"Wird man das Schwein am Ende erledigen?" Das ist hier die richtige Frage, passend zu einem Krimi, und doch führe ich Sie damit völlig in die Irre. Luca D'Andrea - das heißt Spannung, Nervenkitzel, Bergwelt, Schnee und Eis. "Das Böse, es bleibt" ist auch ein Märchen und eine psychologische Studie. Selten liest man so viele Charakterstudien so nebenbei. D'Andrea schafft es, dass man jede Figur mag, selbst wenn es sich um eiskalte Mörder handelt. Ein Phänomen, das ich so nicht nicht erlebt habe. Das unterstützt die Spannung bis zuletzt, da man eigentlich mit jeder Figur mitfiebert und ihr eine gute Wendung des Geschehens wünscht oder den betrauert, der auf der Strecke bleibt. Der Text des ersten Kapitels lautet "Süße Lissy, kleine Lissy." Mehr nicht. Klingt erst mal harmlos. Ein Kinderlied? Wir wissen es nicht. Aber es wird uns durch das Buch begleiten. Und dann ist man schon bei Marlene, der ersten Hauptfigur. Sie verlässt heimlich ihren Mann, älter als sie und sehr reich. Sie hat alles gut geplant, sie nimmt nur wenig mit, darunter die Diamanten aus dem Safe ihres Mannes und ein Märchenbuch aus ihrer Kindheit. Das Auto tauscht sie in einer Werkstatt gegen ein anderes, so dass ihre Spur schwer zu verfolgen ist. Es ist Winter in Südtirol in den siebziger Jahren des 20. Jahrhundert. Marlene verfährt sich im Dunklen in einem abgelegenen Seitental, kommt von der Straße ab und prallt gegen einen Baum. Sie erwacht in einem fremden Bett in einem abgelegenen Bauernhof hoch oben in den Bergen. Simon, schon älter aber immer noch kräftig und von der harten Abend in und mit der Natur gestählt, hat sie gefunden und auf seinen Schultern hoch auf den Erbhof geschleppt. Hier ist sie erst einmal in Sicherheit, während man im Tal nach ihr sucht. Wird ihr Mann, der tief gekränkt ist, dass ihn seine junge Frau verlassen hat, sie finden? Er setzt seine engsten Vertrauten auf ihre Spur und holt sich sogar im geheimen Konsortium, einer einflussreichen mafiaähnlichen Gemeinschaft, Hilfe. Soweit der Rahmen einer weit verzweigten Story. Wir verfolgen die Suche im Tal und erleben die märchenhaften Geschehnisse auf dem Berg. Die Geschehnisse reichen zurück in die Vergangenheit. Wir schließen verwundert und sehr gut unterhalten das Buch nach dem letzten Kapitel, das nur aus den Worten "Süße Lissy, kleine Lissy" besteht. Simon Keller spense la lucerna. Lo sfrigolio del lume a olio che si smorzava divenne lo spazio bianco fra un tic e un tac e l'immaginazione di Marlene trasfigurò la realtà in qualcosa di diverso.Durò un secondo, forse due. In quell'attimo la giovane donna scorse qualcosa muoversi. Nell'oscurità. Tic... Una visione fugace, con la coda dell'occhio e la mente sottosopra per colpa del caldo e della puzza, mentre il buio ghigliottinava la porcilaia. Fu come durante l'incidente. La sua vista si acuí e Marlene vide (immaginò) ogni dettaglio. Lissy. Das klingt in der Übersetzung von Susanne Van Volxem und Olaf Matthias Roth so: "Simon Keller machte die Lampe aus. Das verhallende Zischen des Dochts wurde zu dem leeren weißen Raum zwischen einem Tick und einem Tack, und Marlenes Famtasie verwandelte die Realität. Es dauerte eine Sekunde, vielleicht zwei. Plötzlich sah die junge Frau, wie sich in der Dunkelheit etwas bewegte. Tick... Ein flüchtiges Bild aus den Augenwinkeln, während die Dunkelheit sich über den Schweinestall legte. Es war genau wie bei dem Unfall: Mit einem Mal sah Marlene alles viel schärfer und nahm jedes kleinste Detail wahr. Lissy."