Leserstimme zu
Dann schlaf auch du

Schockierend

Von: Buchwahn
28.03.2018

Was ist vermutlich das Schlimmste, das Eltern sich vorstellen können? Der Tod des eigenes Kindes. Und dann auch noch ein brutaler Mord. Herbeigeführt durch eine Person ihres Vertrauens. Einer Person, der der sie ohne große Bedenken ihre Kinder anvertraut haben. In diesem Fall ihrem Kindermädchen - ihrer Nounou. Genau darüber schreibt die französisch-marokkanische Schriftstellerin Leïla Slimani in ihrem Genre-übergreifenden Roman "Dann schlaf auch du" (im Original: Chanson douce), für den sie 2016 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde. Die Geschichte beginnt mit ihrem schrecklichen Ende. Der Leser wird ohne Vorwarnung in eine grauenhafte Welt gezogen, eine Welt die man sich nicht mal in seinem schlimmsten Alpträumen vorzustellen wagt. Aber genau das ist passiert, das Geschehen hat mich bis in den Schlaf verfolgt. Der Umstand, dass der Leser nun schon weiß wie alles endet, nimmt der restlichen Geschichte jedoch kein bisschen die Spannung. Dazu trägt der Schreibstift der Autorin sehr viel bei. Dieser ist so gut, dass unmittelbar mit Beginn des Buches auch das Kopfkino des Lesers zu laufen beginnt. Ich war vom ersten Wort an gebannt und gleichzeitig schockiert. So schockiert, dass ich im ersten Moment gar nicht weiter lesen wollte. Aber eine Wahl hatte ich eigentlich nicht, denn ich war zu sehr an die Worte Slimanis gefesselt. Kurz und knapp: Das Buch ist wunderbar geschrieben und die Geschichte absolut schockierend. Gerade weil man in unserer Zeit und unserer Gesellschaft um das Thema Kinderbetreuung gar nicht mehr herum kommt, - und viele Mütter deswegen Schuldgefühle haben - hat es eine erschreckende Wirkung. Ich kann das Buch absolut empfehlen!