Leserstimme zu
Die Farben der Erinnerung

Auf der Suche nach der Vergangenheit

Von: friederickes bücherblog
03.04.2018

Das Cover Das Cover ist farblich und bildlich dem Inhalt des Buches angelehnt. Es passt sehr gut und zusammen mit dem Klappentext ist es eine schöne und stimmige Präsentation des Buches. Die Geschichte (Achtung Spoiler!) Im Alter von vier Jahren verlor Gemma in Italien bei einem Brand ihre Eltern. Ihr Vater war Professor und hatte wohl etwas entdeckt. Es wurde aber damals nicht aufgearbeitet. Dieses Trauma verursacht bei Gemma noch nach Jahrzehnten nicht nur Alpträume. Ihr ganzes Leben ist kompliziert. Sie muss alles gut strukturieren, sie kontrolliert ständig auf Sicherheit und ist dadurch in ihrem Alltag sehr eingeschränkt. In ihrem kleinen Appartement und in der Bibliothek an ihrem Arbeitsplatz, fühlt sie sich sicher und beschützt. Eines Tages erhält sie Mails mit Auszügen aus Gedichten und auch ein Päckchen mit einem Schmuckstück. Das alles ist sehr geheimnisvoll und lässt sie nicht mehr ruhen. Sie nimmt Kontakt mit dem Oxfort Professor Sisley auf und bittet ihn um Hilfe. Nach kurzem Zögern sagt er ihr seine Unterstützung zu. Sisley und Gemma sind beide Außenseiter und verstehen sich deshalb sehr gut. Sie machen sich gemeinsam auf eine lange und gefährliche Reise, die sie auch in Gefahr bringt und viele überraschende Dinge zutage befördert. Meine Meinung Die Autorin hat das Buch in der Gegenwart erzählt. Als Leser wird man durch die anspruchsvolle Sprache sehr gefordert. Hinzu kommen mehrere Zeitebenen, die untereinander verwoben wurden. Dadurch wird Gegenwart und Vergangenheit subtil mit der Geschichte und den Geschehnissen in Einklang gebracht. Schwergefallen sind mir die Ausflüge in die Kunstgeschichte, wo ich mir die Epochen und Künstler erst einmal als kleines Grundwissen erarbeiten musste, um dann zu verstehen und die Verbindungen und Puzzleteile der Geschichte zuführen zu können. Gemma und Sisley die beiden Protagonisten sind wunderbar erarbeitet, sind authentisch und lassen tief in die Seelen blicken. Die beiden kennen sich ja anfänglich nicht, gehen aber auf eine Spurensuche, die es in sich hat, die sie außerdem bis zu den Medici und ins viktorianische Zeitalter bringt. Um das alles so spannend umsetzen zu können, ist eine umfangreiche Recherche notwendig. Diese wurde von der Autorin gepaart mit viel Liebe zum Detail. Es ist spannend wie ein Thriller oder auch ein Drama. Eine wunderbare Geschichte über deren Ende ich immer noch nachdenken muss. Das Buch ist ein literarisches Meisterwerk. Ich bin froh dieses Genre kennengelernt zu haben. Glaube aber auch, dass ich das Buch noch ein oder zweimal lesen muss, um alle Facetten des Buches, auch die Verbindungen zur Kunstgeschichte und der Vergangenheit, besser ausleuchten zu können. Ich möchte der Autorin gratulieren und möchte ermutigen anspruchsvolle Ausflüge in die Literatur zu wagen und diese geduldig zu erleben und zu erarbeiten. Es ist ein Erlebnis der besonderen Art. Von mir bekommt das Buch eine ausdrückliche Leseempfehlung. friedericke von "friederickes bücherblog"