Leserstimme zu
Die Farben des Himmels

Porträt einer bemerkenswerten Frau

Von: Lilli333
16.05.2018

Christina Olson lebte mit ihrem Bruder in Cushing im US-Bundesstaat Maine. Die abgeschiedene elterliche Farm war ihr kleiner Kosmos, den sie nur selten verlassen konnte, denn Christina war in ihren körperlichen Bewegungen stark eingeschränkt - wahrscheinlich ein Symptom einer neurologischen Erkrankung, des Morbus Charcot-Marie-Tooth. Als sie den Maler Andrew Wyeth kennenlernte, der sich in ihrem Haus ein Atelier einrichtete, diente sie ihm als Muse. Sein berühmtestes Werk mit dem Titel „Christina’s World“ gehört heute zur Sammlung des Museum of Modern Art in New York. Meine Meinung: Nicht nur der Maler Andrew Wyeth zeichnet ein Porträt dieser bemerkenswerten, starken Frau, sondern auch die Autorin Christina Baker Kline, nur eben mit den Mitteln einer Schriftstellerin. Die Sprache ist der beschriebenen Zeit angepasst, sodass man sich sehr gut einfühlen kann.  Christina Olson erzählt in der Ich-Form von ihrem Leben, von ihrer Familie, von ihrer großen Liebe und von ihrem Leiden, von dem sie sich nicht unterkriegen lässt, obwohl es sich ständig verschlechtert und sie große Schwierigkeiten mit den einfachsten Verrichtungen hat. Mit eisernem Willen erledigt sie die ihr zugeteilten Aufgaben im Haushalt und weigert sich meistens Hilfe anzunehmen. Dieser starke Wille hat mich sehr beeindruckt. Natürlich macht es ihr auch schwer zu schaffen, dass sie nicht wie andere ist, dass sie ihrer Familie und ihren Freunden immer wieder zur Last fällt. Nur der Maler Andrew Wyeth scheint sie mit ganz anderen Augen zu sehen. Gerne hätte ich noch mehr von Christinas Gedanken und Gefühlen gelesen, die in der Erzählung der Ereignisse manchmal etwas zu kurz kommen. Durch die Rückblenden in Christinas Kindheit und Jugend wird praktisch ein ganzes Leben abgedeckt und die Entwicklung vom kleinen wissenshungrigen Mädchen zur reifen Frau beschrieben. Es sind einige Enttäuschungen, die Christina erleben muss und die sie mal mehr, mal weniger schnell überwinden kann. Ich fand die Geschichte sehr interessant. Auch wenn es sich bei diesem Buch um einen fiktionalen Roman handelt, so beruht er doch auf wahren Begebenheiten. Im Nachwort geht Christina Baker Kline näher darauf ein.