Leserstimme zu
Der Wille zum Bösen

... und langsam schleicht sich das Böse an einen heran

Von: brigitta
31.05.2018

Kurze Zusammenfassung: Dustin war noch ein Kind als seine Eltern ermordet wurden. Er, seine beiden Cousinen und sein Adoptivbruder verbrachten die Nacht in einem Wohnwagen im heimischen Garten, während seine Eltern im Haus feierten. Mitten in der Nacht wurden sie erschossen und es sah so aus, als hätten die Kinder nichts mitbekommen. Dustins Adoptivbruder Rusty wurde für den Mord an Dustins Eltern verurteilt und Dustins Aussage stützte die Verurteilung. Nun wird Rusty aus dem Gefängnis entlassen ... unschuldig, denn ein DNA Beweis zeigt, dass Rusty nicht der Mörder sein kann. Dustin ist nun hin und her gerissen zwischen Angst vor Rusty, der Verarbeitung des Schmerzes über den Krebstod seiner Frau Jill und der zunehmenden Entfremdung seiner Söhne. Erlösung versucht Dustin in seiner Arbeit als Psychologe zu finden, allerdings wird er auch hier in ungeklärte Mordfälle gezogen. Aqil, ein beurlaubter Cop sucht sich Dustin gezielt als Therapeuten aus um mit ihm zusammen eine vermeintliche Mordserie aufzuklären. Erst steht Dustin Aqils Ermittlungen skeptisch gegenüber, doch nach und nach wird er immer tiefer in die Geschichte gezogen, bis der erste Mord auch sein Umfeld erreicht. Fazit: Was passiert, wenn Personen nur um sich selbst kreisen, ihre eigenen Geschichten zu Wahrheit stilisieren und nicht bereit sind, auch nur wenig von ihrem Selbstbild abzurücken? Dieses Buch passiert! ;) Die Protagonisten sind in ihren Geschichten verhaftet und suchen ohne Unterlass nach Gründen, warum alles was sie tun genau so richtig ist. Warum vergangene Handlungen nicht anders hätten stattfinden können und wo sie ihre Unschuld finden. Ob es Aaron ist, der zwar einen Funken Schuld verspürt seinen Freund Rabbit hintergangen zu haben, aber dann genau dieses Hintergehen als Ausrede nimmt, seinen Freund gänzlich im Stich zu lassen. Oder die Cousine Wave, die ihre Falschaussage zwar irgendwo bereut, aber ihr heutiges "gutes" Leben als Wiedergutmachung betrachtet oder eben Dustin, der seine Erinnerungen zu folgerichtigen Handlungsfäden zusammenbaut und dabei seine wirklichen Gefühle und Erinnerungen so lange deformiert, bis die Geschichte passt. Allerdings gibt es jemanden in diesem Buch, der nicht bereit ist diese Ausreden hinzunehmen, sondern vielmehr mit der Bereitschaft zur Manipulation spielt, bis sich keiner mehr auf seinen Ausreden ausruhen kann. Stellenweise hat man das Gefühl, das Buch wäre wirr geschrieben oder es wären Druckfehler vorhanden. Es hat auch ein paar Augenblicke gedauert, bis ich verstanden habe, dass dies so gewollt ist. Das zum Beispiel ein Ende eines Satzes fehlt, weil, wenn der Protagonist diesen Satz fertig gedacht hätte, er unweigerlich reale Zusammenhänge erkannt hätte. Es sind Ausblendungen um sich selbst in seinem Selbstbild zu halten und damit die eigene verquere Wahrheit noch ein bißchen länger festzuhalten. Aber genau so passiert das Buch, denn hätte irgendeiner der Protagonisten irgendwann aufgehört an seinen Ausreden festzuhalten, wäre die Geschichte nicht passiert. Ich fand das Buch sehr spannend und erschreckend. Was ist "böser"? Der, der Böses tut oder der, der Böses zulässt? Die Antwort darauf gibt das Buch nicht aber es gibt dem Leser die Möglichkeit darüber nachzudenken.