Leserstimme zu
Die Stürme der Zeit

Fesselnd, unterhaltsam und wunderbar erzählt

Von: Conny G.
06.06.2018

Dieser Roman ist nach „Das Versprechen der Jahre“ der zweite Teil der Familien-Saga um die Familie Lytton. Er deckt den Zeitraum der Jahre 1928 bis 1946 ab und beginnt damit etwa 10 Jahre nach dem Ende des ersten Teils. Im Mittelpunkt steht diesmal die nächste Generation der Lyttons. Wir erleben die Kinder von Celia und Oliver, die Zwillinge Adele und Venetia sowie Giles und Kit, die inzwischen junge Erwachsene geworden sind. Ebenso stehen Jay, der Sohn von Olivers Schwester Margaret (LM) und Barty, die von Celia in der Lytton-Familie groß gezogen wurde, am Beginn ihres Erwachsenenlebens. Sie alle beginnen sich zu orientieren, ihren Platz im Leben und in einem Beruf zu suchen. Das Verlagshaus der Familie Lytton bietet grundsätzlich für alle eine Möglichkeit, sich beruflich zu verwirklichen. Ich fand es interessant zu beobachten, wie Celia und Oliver sehr unterschiedliche Maßstäbe und Anforderungen an ihre Kinder stellen. Das Thema des Buchverlags kommt auch in diesem Teil nicht zu kurz und der Verlag beginnt sich von den Folgen des 1. Weltkriegs zu erholen. Auch gibt es ein Wiedersehen mit allen bekannten Figuren aus dem ersten Teil, wie dem amerikanischen Zweig der Lytton-Familie, dem Landadel aus dem Celia entstammt und dazu gibt es einen neuen Schauplatz in Paris. Der Lytton-Verlag knüpft Kontakte zu einem Pariser Verlagshaus, was besonders den Zwillingen gefällt, da sich für sie dadurch Möglichkeiten eröffnen, nach Paris zu reisen. Doch dann kündigt sich bald der zweite Weltkrieg an und wieder wird sich alles verändern… Man sollte sich von dem langen Zeitraum, den der Roman abdeckt sowie den rund 800 Seiten nicht abschrecken lassen. Die Geschichte der Familie Lytton ist fesselnd von den ersten Seiten an. Schnell war ich wieder drin im Familienleben und den Geschichten rund um die Familie und den Verlag. Die Weiterentwicklung der Figuren ist in allen Fällen gut gelungen und für mich war es wie ein Wiedersehen mit alten Freunden. Auch in diesem Teil gibt es wieder einige Einblicke in die Verlagsbranche zu dieser Zeit und ich fand es interessant zu erleben, dass sich der Lesegeschmack und die Ansprüche der Menschen im Laufe der Zeit doch ziemlich verändert haben. Es geschieht sehr viel in diesem Roman, was bei einer so großen Familie aber auch kein Wunder ist. Und so kommt auf keiner der 800 Seiten Langeweile auf. Die Kriegsjahre werden, wie auch schon im ersten Teil, überwiegend aus der Sicht des Teils der Familie geschildert, der zu Hause ist. Diesmal sind es die jungen Männer, also die Söhne der Lyttons, die in den Krieg ziehen müssen und um die man sich Sorgen macht. Aber auch Barty trägt ihren Teil bei und die Familie zieht sich aufs Land zurück, um den Bombenangriffen auf London zu entgehen. Aber die Folgen des Krieges wie Lebensmittelknappheit, Bezugsscheine z. B. für Kleidung und letztlich auch die Papierknappheit, die sich auf den Buchverlag auswirkt, werden deutlich. Daneben werden weitere Themen berührt, wie die Liebe, Familienbande, Familiengeheimnisse und Intrigen. Dadurch entstehen etliche Wendungen, es gibt Überraschungen und viel Abwechslung. Erneut hat mich der lebendige und mitreißende Schreibstil begeistert, der mich hautnah am Schicksal der Familie Lytton teilnehmen lässt. Der zweite Teil der Lytton-Saga ist ebenso fesselnd wie der erste Teil, wunderbar erzählt und sehr unterhaltsam. Ich freue mich auf die nächste Generation der Lyttons im dritten Teil! Fazit. 5 von 5 Sternen